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Sonntag, 11. August 2019

Ein riesengroßer gehäkelter Rucksack für mein Teleskop

Heuer im Frühsommer, als die Nächte wärmer wurden und begannen, zum längeren Draußenbleiben einzuladen, stieg ich in ein neues Hobby ein – Astronomie. Schon lange faszinierte mich der Sternenhimmel, und es reizte mich, dort in den „unendlichen Weiten“ noch mehr zu erkennen, als mit dem bloßen Auge sichtbar ist. Deshalb kaufte ich mir ein Teleskop. Doch schon bei dem ersten Versuch, dieses doch recht sperrige Instrument mit in die Natur hinaus zu nehmen, merkte ich, dass es sinnvoll wäre, einen Rucksack dafür zu haben. Dieser musste groß genug sein, um das Gerät samt Stativ und Zubehör darin verstauen zu können.
Und da ich ja passionierte Handarbeiterin bin, suchte ich meinen Wollvorrat durch, fand dort noch große Mengen an Acrylgarn-Resten und fing einfach an.

Eine Hülle im Sternmuster für mein Fernrohr
Als Erstes häkelte ich eine Schutzhülle für das Teleskop selbst. Sie sollte das Gerät einigermaßen polstern, da es doch recht empfindlich auf Erschütterungen reagieren kann. Ich hatte schon einmal ein Sternenmuster (Jasminmuster) gehäkelt, und dieses erschien mir genau das Richtige dafür.


im Sternmuster/Jasminmuster gehäkelte Fernrohr-Hülle


Ein riesiger gehäkelter Rucksack nach Maß
Es dauerte lange und verschlang Unmengen an Garn, aber irgendwann war meine Fernrohr-Hülle fertig und konnte ihren Zweck erfüllen. Also nahm ich den Rucksack in Angriff. Ich vermaß mein Teleskop und das Stativ, rechnete ein wenig herum, und schließlich häkelte ich mir in lockeren Reihen aus Filetmuster einen mega großen Rucksack.


riesiger Teleskop-Rucksack


Zum Schluss noch ein genähtes Innenfutter

Da sich das Stativ in den Löchern sehr verhaken würde und ich gern noch eine Innentasche für meine Sternkarten, Orientierungsbücher, etc. haben wollte, nähte ich mir noch ein Innenfutter – aus Sternenstoff, versteht sich! Das machte den Rucksack noch stabiler. Ich nähte das Futter auch an mehreren Stellen an dem äußeren Teil fest, damit sich das doch ordentliche Gewicht des Fernrohres besser verteilte und nicht nur eine Naht alles halten musste. Die Träger häkelte ich aus festen Maschen und nähte sie besonders gut fest, denn wie gesagt, das Teil muss einige Kilo tragen.
Zum Schluss nähte ich mir noch ein kleines Säcklein, das ich mit einem Karabiner je nach Bedarf am Rucksack oder am aufgebauten Stativ befestigen kann. Darin finden nun meine verschiedenen Okulare, eine Taschenlampe und allerhand Kleinkram Platz.

ein Innenfutter aus Sternenstoff für meinen Fernrohr-Rucksack

Der Teleskop-Rucksack hat sich schon bewährt
Inzwischen hab ich mein Fernrohr schon einige Male herumgetragen, und dabei hat sich der Rucksack sehr bewährt. Er ist stabil, lässt sich gut tragen und ist groß genug für all den Krimskrams, den ich zum Sternegucken immer mitschleppe. Ach ja, und ich habe beide Hände frei, um auch noch einen Klapphocker zu tragen!

Ein Linktipp für Hobby-Astronomen
Hier noch der Link zu der sehr informativen Seite von Astronomie.de, die mir schon viel geholfen und Interessantes über den Sternenhimmel gezeigt hat.

Mittwoch, 23. Januar 2019

Nähanleitung Brotzeit-Beutel / Lunch-Bag

Brotzeit-Beutel

Da mich – wie so viele Andere auch – das Thema Nachhaltigkeit und Vermeidung von Plastikmüll sehr beschäftigt, habe ich schon ein wenig mit dem Nähen von Beuteln und Taschen herumexperimentiert. Ich trug mich schon eine Weile mit dem Gedanken, einen Brotzeitbeutel aus abwischbarem Material zu nähen. Doch so weit, dass ich mir etwas Wachstuch oder beschichteten Baumwollstoff besorgte, war ich bis jetzt noch nicht gekommen. 

Da stieß ich beim Einkaufen zufällig auf eine abwischbare Tischdecke, die mit „Lotos-Effekt“ angepriesen wurde. Sie war in Leinen-Struktur gewebt und hatte eine ansprechende naturbeige Farbe. Und was mir besonders gefiel, war die Tatsache, daß sie nicht so starr und dick war wie die normalen Wachstuch-Tischdecken, sondern aus einem eher dünnen und weichen Material bestand. Mein Näherinnen-Gehirn wusste sofort: diese Tischdecke konnte ein prima Stoff für eine Brotzeit-Tasche werden. Also nahm ich sie mit und legte mit dem Nähen los. 

Heraus kam ein handlicher kleiner Beutel, den ich auch für den Einkauf von losem Obst und Gemüse gut verwenden kann. Da mir die weitverbreitete Variante einer Lunch-Bag mit Klettverschluss nicht so sehr gefällt, nähte ich in meinen Brotzeit-Beutel einen Tunnelzug, der mit einer Kordel zugezogen werden kann.


Lunch-Bag mit Tunnelzug



Anleitung: Brotzeit-Beutel mit Tunnelzug nähen


Wer die Lunch-Bag nachnähen möchte, kann dies gern nach der folgenden stichpunktartigen Anleitung tun.

Material


  • dünne abwischbare Tischdecke in Leinen-Optik (lt. Etikett bei 40 Grad waschbar und auf Stufe 2 bügelbar); alternativ kann auch dünnes Wachstuch oder beschichteter Baumwollstoff verwendet werden
  • ca. 50 cm lange Kordel

Zuschneideplan


4 Rechtecke (2 für die Außenseiten und 2 für die Innenseiten des Beutels) 22 x 34 cm (beinhaltet an allen Kanten 1 cm Nahtzugabe)

Zuschnitt


den Beutel nähen


Da mein Stoff an den Kanten sehr leicht ausfranste, habe ich alle Teile mit Zickzackstich versäubert, weil mir das sicherer erschien. Bei einem Material, das nicht ausfranst, kann dieser Schritt entfallen.

  • Je ein Außen- und ein Innenteil an den Schmalseiten rechts auf rechts zusammennähen – das wird die Oberkante des Beutels. Das zweite Außen- und Innenteil ebenso aneinandernähen.
  • Die Teile auseinanderfalten und die Nahtzugaben auseinanderbügeln.
  • Die beiden entstandenen Teile rechts auf rechts so aufeinanderlegen, dass sich die beiden Außen- und Innenteile jeweils übereinander befinden 


  • Die beiden Teile rundum mit 1 cm Nahtzugabe zusammennähen, dabei an einer Längsseite der Außenteile etwa in einem Abstand von 4 cm von der Oberkantennaht eine 2 cm lange Öffnung lassen. Hier wird später die Kordel durch den Tunnelzug eingezogen. Außerdem an der unteren Schmalseite des Innenteils eine Wendeöffnung freilassen.


  • Alle 4 Ecken auseinanderziehen und Naht auf Naht zusammenlegen (Seitennaht liegt auf Bodennaht). Etwa 4 cm senkrecht zur Naht die Ecken abnähen – dadurch entsteht die Bodenfläche des Beutels. Die abgenähten Ecken können abgeschnitten werden.



  • Nun evtl. die Nahtzugaben etwas zurückschneiden
  • Den Beutel wenden und dann das Innenfutter in den Außenbeutel stecken, dann die Wendeöffnung schließen.
  • Die obere Kante bügeln.
  • Die Oberkante ca. 1 cm vom Rand abnähen.
  • Auf Höhe des Beginns und des Endes der freigelassenen Stelle an der Seitennaht jeweils 1x um den Beutel herum nähen, damit der Tunnelzug entsteht. Wer mag, kann noch eine Borte oder Zickzack-Litze aufnähen.

     














  • Jetzt noch die Kordel einziehen, fertig.


    der fertig genähte Beutel mit Tunnelzug


Mittwoch, 16. Januar 2019

Ich hab eine Gürteltasche für Werkzeug genäht – hier die Anleitung

Diese Werkzeugtasche entstand, weil ich ein Geburtstagsgeschenk für einen Handwerker brauchte, der ständig auf der Suche nach einem Hammer oder Schraubenzieher, usw. war, den er doch gerade nur mal schnell irgendwo hingelegt hatte. Schon länger trug ich mich mit dem Gedanken, ihm so eine Tasche zu nähen. Doch nun wurde es akut, weil der Geburtstag nahte. Und so nahm ich die Sache nun ernsthaft in die Hand.

Nach einiger Recherche, wie eine Werkzeugtasche am Sinnvollsten gestaltet wäre, kam schließlich dieses ansehnliche und für den Betreffenden hoffentlich auch praktische Stück dabei heraus:

selbst genähte Gürteltasche für Werkzeug

Mir jedenfalls gefällt das Täschlein gut. Ich könnte mir vorstellen, daß man es auch als Gartentasche benutzen kann, um beispielsweise eine kleine Schaufel, Gartenschere, Messer, Schnüre und all die kleinen Dinge, die man bei der Gartenarbeit benutzt, immer dabei zu haben.

Vielleicht möchte ja jemand von euch diese Werkzeugtasche nachnähen. Deshalb werde ich hier nun beschreiben, wie ich sie angefertigt habe. Es gibt kein richtiges Schnittmuster dafür. Den Taschenkörper kann jeder, der etwas Erfahrung mit dem Nähen hat, nachkonstruieren. Die zahlreichen Außen- und Innenfächer bestehen aus Rechtecken, deren Maße ich unten angebe.


Hier nun die Nähanleitung für die Werkzeugtasche


Etwas Vorerfahrung mit dem Nähen wäre schon gut, um diese Gürteltasche nachzuarbeiten. Denn man muß schon aufpassen, was man in welcher Reihenfolge zusammennäht. Und das Einnähen des Reißverschlusses ist so pfriemelig, wie das mit dem Einnähen von Reißverschlüssen eben so ist. (Aber vielleicht habe nur ich dazu so wenig Talent …) Trotzdem: Mir hat das Nähen dieser Tasche sehr viel Spaß gemacht, und ich bin auf diesem Gebiet auch noch nicht besonders erfahren. Also einfach mal probieren!

Das Material


  • einige größere Reststücke Baumwollstoff, der robust genug ist, um der Beanspruchung gerecht zu werden (ich hab drei Geschirrtücher benutzt, die schön griffig waren)
  • Reißverschluß 20 cm
  • Gurtband mit Steckverschluß, das lange genug ist, damit es um den Bauch paßt (z. B. von einer alten Gürteltasche, Rucksack, etc. oder neu kaufen)
  • 26 cm Gummiband in etwa 2 cm Breite
  • Volumenvlies


Zuschneideplan


  • Taschenkörper: 2x mit Außenstoff, 2x mit Futterstoff und 1x mit Volumenvlies
  • 1. Außentasche: 1 Stück 24 x 26 cm (incl. 1 cm Nahtzugabe bds + unten, 4 cm NZ oben)
  • 2. Außentasche: 1 Stück 20 x 24 cm (incl. 1 cm Nahtzugabe bds + unten, 4 cm NZ oben)
  • Innentaschen: 2 Stück 22 x 13 cm (incl. 1 cm Nahtzugabe bds + unten, 4 cm NZ oben)
  • 26 cm Gummiband
  • 2 Restestreifen aus dem Außenstoff für die Einfassungen am Beginn und Ende des Reißverschlusses

Schemazeichnung Werkzeugtasche


So hab ich meine Werkzeug-Gürteltasche angefertigt


Begonnen habe ich mit den aufgesetzten Taschen.

1. Die Außen- und Innentaschen nähen


  • Zuerst hab ich die Schnitteile der Außen- und Innentaschen versäubert, damit sie nicht ausfransen.
  • Danach hab ich bei diesen 4 Taschen die Nahtzugaben an den Seiten und unten je 1 cm nach innen gefaltet und gesteckt, die Nahtzugaben an der oberen Eingriffseite wurden 2x je 2 cm nach innen umgeschlagen, danach nur dieser obere Saum genäht.
    die obere Saumkante der größeren Außentasche wurde genäht
  • anschließend steckte ich etwas unterhalb dieser Saumnaht außen auf der 2. Außentasche das Gummiband auf, so daß dessen Enden beidseits etwas über die Seitenkanten der Außentasche herausschauten; danach nähte ich die eine Unterteilungsnaht, die nur das Gummiband teilen sollte (das Taschenfach darunter aber nicht).
  • Jetzt setzte ich die kleinere Außentasche mittig auf die größere, die Enden des Gummibandes wurden beidseits außen um den Rand der Tasche herum nach innen umgeschlagen; danach nähte ich diese kleinere Außentasche auf der größeren fest und setzte noch eine Unterteilungsnaht im linken Drittel.
  • Nun nähte ich die größere (zusammen mit der daraufgesetzten kleineren) Außentasche mittig auf ein Außenteil des Taschenkörpers und setzte auch in der Mitte noch eine Unterteilungsnaht

    die Außentaschen sind fertig aufgenäht

  • Danach befestigte ich die beiden Innentaschen auf je einem Futterteil und unterteilte sie in der Mitte.
eine der beiden Innentaschen


2. Den Reißverschluß einnähen


  • Zuerst nähte ich rechts und links an den Reißverschluß je ein Restestück als Verlängerung, damit der Reißverschluß sich leichter an der Oberkante einpassen läßt.
  • Danach setzte ich den Reißverschluß zwischen je ein Außen- und Futterteil.
der Reißverschluß


3. Die Taschennähte schließen und das Gurtband anbringen


  • Ich steckte beide Außenteile des Taschenkörpers rechts auf rechts übereinander – wichtig: der Reißverschluß muß offen sein!
  • Jetzt schnitt ich das Volumenvlies nochmals etwas in Form und brachte es an dem Stoffteil an, das die zukünftige Rückwand der Gürteltasche werden würde (die Vorderseite ist durch die aufgenähten Außentaschen schon recht füllig)

    das Vlies anbringen
  • Dann steckte ich das Gurtband an die dafür vorgesehenen Ausstülpungen beidseits am oberen Ende der Tasche. Hier ist auch eine Fehlerquelle, in die ich schon oft reingetappt bin: Das Gurtband muß sich innen zwischen den rechts auf rechts liegenden Stoffteilen befinden! Nur die Enden können an den Seiten etwas herausspitzen.
    das Gurtband an der Gürteltasche befestigen
  • Danach nähte ich einmal von einer Seite über den Boden bis zur anderen Seite; da das Gurtband voraussichtlich schon recht strapaziert werden wird, nähte ich an der Stelle, an der es befestigt wurde, mehrmals auf und ab, um eine stabile Naht zu bekommen.
  • Nun steckte ich noch die beiden Futterteile rechts auf rechts zusammen. Achtung: dieser Schritt ist die letzte Möglichkeit, um noch einmal sicherzustellen, daß der Reißverschluß auch wirklich offen ist! Denn wenn er das nicht ist, kann die Tasche am Ende nicht gewendet werden!
  • Beim Zusammennähen des Innenfutters bleibt eine Wendeöffnung am Boden offen (ja, auch das vergesse ich leider immer wieder…)

4. Die Nahtzugaben zurückschneiden und die Tasche wenden


  • Nun war es fast geschafft. Ich schnitt an den Rundungen die Nahtzugabe ein. Danach kam die große Überraschung: wenden und staunen! Ich war ganz angetan, wie ansehnlich meine selbst konstruierte Werkzeugtasche doch geworden war! Nun schloß ich noch die Wendeöffnung, und fertig war das gute Stück.

die Innenansicht meiner Gürteltasche

Donnerstag, 26. Januar 2017

Ich habe ein Dinkelkissen genäht – hier die Anleitung

Dinkelkissen sind wie auch andere Körnerkissen, Kirschkernkissen oder Heublumensäcklein schon lange ein fester Bestandteil der naturheilkundlichen Hausapotheke. Vor ein paar Tagen versuchte ich mich nun daran, ein einfaches Dinkelkissen selbst zu nähen. Und mit dem Resultat bin ich sehr zufrieden:

mein selbstgenähtes Dinkelkissen


Die Nähanleitung – kurz und kompakt:

Man benötigt 30 x 30 cm Baumwollstoff, einen passenden Nähfaden und 150 g Dinkelkörner

  • Den Stoff ringsum mit Zickzackstich versäubern,
  • dann rechts auf rechts in der Mitte zu einem Rechteck 30 x 15 cm zusammenfalten,
  • eine kurze und die lange Seite füßchenbreit mit Geradstich zusammennähen,
  • das Säcklein wenden und die Ecken gut herausholen;
  • portionsweise 5x 30 Gramm Dinkelkörner einfüllen und nach jeder Portion die gerade befüllte Kammer abnähen – es entstehen fünf Kammern, die mit je 30 Gramm Dinkel befüllt sind;
  • noch eine Mittelnaht der Länge nach herunter nähen, schon ist das Kissen fertig.


Dieses Material habe ich verwendet:

Ich habe einen dünnen bedruckten Baumwollstoff genommen, den ich auch zum Patchworken gern verwende. Für das Körnerkissen habe ich den Stoff zu einem Quadrat mit einer Seitenlänge von 30 cm mal 30 cm zugeschnitten.
Außerdem wog ich noch etwa 150 Gramm Bio-Dinkelkörner zum Füllen ab.

So habe ich das Dinkelkissen genäht:

Zuerst habe ich meinen Stoff an allen vier Kanten mit Zickzackstich eingesäumt. Das wäre vielleicht nicht nötig gewesen, aber es erschien mir sicherer. Schließlich wird die Innenseite des Säckleins ja durch die Dinkelkörner, die sich ständig bewegen, schon ziemlich beansprucht. Und ich wollte sichergehen, daß sich die Nahtzugaben dadurch nicht auflösen und dann die Nähte aufgehen.

Danach wurde der Stoff in der Mitte einmal gefaltet, so daß ich anschließend ein doppellagiges Rechteck von 30 cm mal 15 cm hatte. Die Stoffhälften müssen rechts auf rechts übereinander liegen, man sieht also nur die linken Innenseiten des künftigen Säckleins.

Nun nähte ich die lange Kante und eine der beiden kurzen mit Geradstich füßchenbreit zusammen. Eine der kurzen Seiten muß als Wende- und Befüllöffnung offen bleiben.

Den Beutel wendete ich, und schon war er bereit dazu, befüllt zu werden.

Ich hielt es für sinnvoll, mein Dinkelkissen in mehrere Kammern aufzuteilen. So sind die Körner im gesamten Beutel relativ gleichmäßig verteilt. Das Wärmekissen kann dann über seine gesamte Fläche die Hitze wieder abgeben, nicht nur an den Stellen, an denen sich der Dinkel durch die Schwerkraft sammelt.

Es sollten fünf etwa gleichgroße Kammern werden. Deswegen portionierte ich die Körner zu fünf Häufchen mit je 30 Gramm. Die erste Portion gab ich in mein Kissen, dann nähte ich knappe fünf Zentimeter vom unteren Rand entfernt eine parallele Naht. Da mir die Körner sofort im Beutel verrutschten und natürlich auch den Weg meiner Nadel blockieren (eine hab ich sogar verbogen, weil ich auf eines der harten Körner draufkam), hab ich den Dinkel ganz zu der Seite geschoben, an der ich nicht nähen wollte, und ihm mit eng gesteckten Stecknadeln den Rückweg versperrt. So ging das Nähen dann ganz gut.

Auf diese Weise hab ich nach und nach die fünf Kammern portionsweise befüllt und abgenäht, zum Schluß die Nahtzugabe der oberen Öffnung etwa einen Zentimeter breit nach innen geschlagen, und das Körnerkissen verschlossen. Nun hatte mir der Dinkel im Innern noch immer zu viel Bewegungsspielraum. Deshalb faltete ich mein Wärmekissen einmal der Länge nach, verteilte die Körner gleichmäßig zu beiden Seiten und nähte auch noch einmal in der Mitte von oben nach unten. Nun besteht das Kissen aus 10 ungefähr gleichgroßen Kammern, und diese Aufteilung hat sich in der Praxis inzwischen auch schon gut bewährt.

Wie wird das Dinkelkissen angewendet?
Ein Körnerkissen kann man gut erhitzen, und es gibt anschließend die Wärme nach und nach wieder ab. Ist es abgekühlt, gleicht es sich der Körperwärme an und wird nicht unangenehm kalt. Man kann es zur Wärmebehandlung bei Muskelverspannungen oder schmerzenden Gelenken auflegen. Aber es tut auch einem gestreßten Bauch gut, wenn man es anstelle einer Wärmeflasche benutzen möchte. Man kann damit ein Babybettchen oder den Kinderwagen vor einer Ausfahrt anwärmen. Doch Vorsicht! Das Dinkelkissen wird so heiß, daß man sich durchaus daran verbrennen kann.

Das Erhitzen geht am Schnellsten in der Mikrowelle

Dazu wird das Wärmekissen bei etwa 600 Watt maximal eine Minute lang in der Mikrowelle erwärmt. Dabei muß sich der Teller frei drehen können, ohne daß das Dinkelkissen am Rand streift. Denn ansonsten besteht die Gefahr, daß es an einigen Stellen verbrennt. Am Besten behalten Sie es währenddessen im Blick und testen zwischendurch kurz, wie heiß es schon geworden ist.

Ich habe mein Kissen aber auch schon eine Weile lang einfach auf die Heizung gelegt, bis es eine angenehme Temperatur angenommen hat. Man kann es sicherlich auch im Backofen erwärmen. Das habe ich aber noch nicht ausprobiert.

Ein Körnerkissen kann auch als Kühlkompresse verwendet werden.

Weniger bekannt als die Verwendung zum Wärmen ist die Tatsache, daß man mit einem Dinkelkissen auch gut kühlen kann. Sportverletzungen, Insektenstiche, Entzündungen kann man anstatt mit einem Eisbeutel, auch mit einem Körnerkissen behandeln. Dazu wird das Säckchen in eine Plastiktüte gepackt und anschließend in das Gefrierfach gelegt, bis es kalt genug geworden ist, um seinen Zweck zu erfüllen.

Welche Art Getreide ist Dinkel eigentlich?
Dinkel ist mit dem Weichweizen eng verwandt. Er gehört botanisch zu den Spelzgetreiden. Als Spelz bezeichnet man die dünne Schutzhülle, die den weichen Kern eines Dinkelkorns schützend umgibt. Diese Spelzhülle muß entfernt werden, will man Weißmehl aus dem Getreide herstellen. Dinkel ist dem Weizen in vielerlei Hinsicht überlegen. Er besitzt mehr Vitamine, mehr Eiweiß und mehr Mineralien als sein Verwandter. Verwendet man Dinkel als Mehl zum Kochen oder Backen, sollte man am Besten Vollkornmehl verwenden, da dieses reicher an den Inhaltsstoffen ist, als Dinkel-Weißmehl. Für Menschen mit einer Gluten-Unverträglichkeit ist Dinkel jedoch genauso wenig geeignet, da auch er dieses Klebereiweiß enthält.
(Quelle: Artikel auf der Homepage „Zentrum der Gesundheit“)


Bereits Hildegard von Bingen schätzte den Dinkel

Im Mittelalter wurde der Dinkel vor allem im süddeutschen Raum angebaut. Gegessen haben ihn die Menschen als Brot oder Brei. Damals waren auch Weizen, Hafer, Roggen oder Gerste weit verbreitet. Hildegard bevorzugte ihnen gegenüber aber den Dinkel als gute Kost für Gesunde und Kranke. In ihrer „Physica“ schreibt sie, der Dinkel bereite dem Menschen „rechtes Fleisch und rechtes Blut und schenkt ihm außerdem ein frohes Gemüt“. Kranken empfahl sie, gekochten Dinkelbrei zu essen, denn dieser würde sie „innerlich heilen wie eine gute Salbe“.
(Quelle: Hildegard von Bingen Dinkelkochbuch, Moewig Verlag)


Exkurs: Rezept für ein Dinkel-Vollkornbrot nach Hildegard von Bingen, das ich gern backe

Das Grundrezept, das ich dem Hildegard von Bingen Dinkelkochbuch des Moewig Verlags entnommen habe, besteht lediglich aus:

1000 g Dinkel-Vollkornmehl
750 ml lauwarmes Wasser
40 g frische Hefe
20 g Kräutersalz

Ich gebe außerden gern noch dazu:

eine Handvoll Körner, was ich grade da hab, z. B. Grünkern, Dinkel, Roggenschrot, Sonnenblumenkerne. Die Getreidekörner sollten mindestens eine Stunde vorher mit etwas heißem Wasser eingeweicht werden, besser noch länger
3 TL Brotgewürz
evtl. etwas Kümmel


Das Mehl in eine große Schüssel geben, oben eine Mulde formen und die Hefe dort hineinbröckeln. Etwas Zucker dazu, damit die „Hefis“ was zu futtern haben und aufwachen. Mit etwas von dem abgemessenen Wasser übergießen, bis die Hefeflocken gut damit bedeckt sind.

10 min diesen Vorteig gehen lassen, es sollten sich auf der Hefepfütze kleine Blasen gebildet haben.

Dann die restlichen Zutaten dazugeben und alles mit der Küchenmaschine gut verkneten.

Den Teig mit einem Tuch abdecken und etwa eine Stunde lang an einem warmen Ort gehen lassen, bis sich das Volumen ungefähr verdoppelt hat (vor Zugluft schützen!).

Etwa eine halbe Stunde vor Ende der Gehzeit den Backofen bei Ober- und Unterhitze auf 250 Grad vorheizen und eine feuerfeste Schüssel (z. B. Auflaufform) mit Wasser auf den Boden stellen.

Den fertig gegangenen Brotteig auf einer bemehlten Unterlage in zwei Teile halbieren. Diese vorsichtig zu 2 Laiben formen, nicht mehr viel darauf herumkneten. Nochmals ca. 10 min lang gehen lassen.

Die Laibe auf ein Backblech oder einen Pizzastein in den Ofen geben.

10 Minuten bei 250 Grad backen, dann auf 180 Grad zurückdrehen und noch 30 Minuten lang fertigbacken. Am Besten im ausgeschalteten Backofen langsam abkühlen lassen.

Das frische Brot schmeckt mit etwas Kräuterbutter sehr gut!


Und weil wir gerade beim Nähen sind – kleine Teesäckchen für Weihnachten machte ich auch

In der Vorweihnachtszeit brauchte ich einige kleine Präsente. Da ich gerade sowieso dem Näh-Virus verfallen war, fertigte ich aus Baumwollstoff kleine Täschlein an, die ich mit Teebeuteln und einem Teelicht befüllte. Die Taschen nähte ich mit Innenfutter, und nach ein paar Fehlversuchen klappte es auch, alles richtig zusammenzufügen, damit auch nach dem Wenden alles schön aussah und dort saß, wo es hingehörte. Ich mußte die fertigen Teesäcklein gleich fotografieren, weil sie so hübsch waren:

kleine Taschen für Weihnachten genäht



Und noch eine Besonderheit gibt es bei diesen Täschlein. Ich habe sie nämlich auf der alten Singer-Nähmaschine meiner verstorbenen Oma genäht, die noch mit Fußpedal angetrieben wird. Die Maschine war jahrzehntelang nicht mehr benutzt worden. Ich wußte jedoch aus Erzählungen, daß sie eigentlich nicht kaputt war, nur Zickzackstiche konnte man schon lange nicht mehr damit nähen. Kurz vor Weihnachten packte es mich und ich befreite das gute Stück erst einmal von der dicken Staubschicht, die sich in der Zeit angesammelt hatte. Ich ölte alle Teile, die sich bewegen sollten, und los ging es. Gut, daß meine Oma die Bedienungsanleitung aufgehoben hatte! Leider riß mir der lederne Antriebsriemen bald, ich konnte ihn aber wieder flicken, und für den Notfall fand ich heraus, daß man so einen sogar noch nachkaufen kann. Ich freue mich sehr darüber, daß ich dieses antike Stück wieder zum Leben erwecken konnte. Ich benutze sie gern und habe dabei das Gefühl, meiner Großmutter dabei ein wenig näher zu sein.

Montag, 25. April 2016

Mein Halbkreismantel ist fertig!

Den Mantel selbst habe ich ja schon vor einem Jahr aus handgesponnener Steinschafwolle angefertigt. Und nun ist er auch mit einem Innenfutter versehen – aus selbst gesponnener und in Leinwandbindung verwebter dunkelbrauner Jacobsschafwolle. 

mittelalterlicher Halbkreismantel mit Innenfutter


Alles von der Spinnfaser an selbst zu machen, braucht Zeit und Geduld
Es hat doch etwa vier Monate beansprucht, um das Futter fertig zu bekommen und in den Mantel zu einzunähen. Ein Motivationstief hat mich im Winter etwas ausgebremst, aber je näher die neue Mittelaltermarkt-Saison rückte, desto mehr Antrieb bekam ich wieder. Und nun freue ich mich darauf, den Mantel zum ersten Mal auszuführen und dabei zu testen, wie wärmend, winddicht und robust er durch das Füttern geworden ist. Leider hat er zu seinem bereits vorbestehenden Gewicht von etwa anderthalb Kilo nochmal ein gutes Kilo dazubekommen. Naja, im Vergleich zu dem, was manche Männer auf Mittelalterveranstaltungen an Rüstung mit sich herumschleppen müssen, ist das dann doch eher ein Klacks...



Das Innenfutter paßt nicht genau
Als ich die Dreiecke für das Innenfutter fertig aneinander genäht hatte, mußte ich noch entscheiden, wie ich es am Besten an dem Halbkreismantel befestige. Ich legte beides aufeinander und erkannte schnell, daß mein Futter von der Spannweite her ein wenig kleiner geworden war als der Mantel. Außerdem stellte ich fest, daß die Rundung meines Mantels viel ungleichmäßiger war, als ich gedacht hatte, und nun Außenteil und Futter nicht wirklich aufeinander paßten. Da ich mal irgendwo gelesen hatte, daß es wohl sogar Belege dafür gibt, daß im Mittelalter bei Mänteln das Innenfutter durchaus nicht immer unten herum festgenäht worden war, beschloß ich, das Innenteil nur am Kragen und an den Seiten festzunähen. So macht die Weitendifferenz nun nichts mehr aus. Außerdem fällt der Mantel auch schön.

dekorative Naht mit Hexenstichen


Ein hübsches Detail entstand beim Zusammennähen des Mantels eher zufällig
Damit mein Innenfutter gut hält, nähte ich es mit demselben Wollgarn, aus dem der Außenteil besteht, mit einer Reihe Hexenstiche fest. Das helle Grau ergab eine schöne, auf dem dunkelbraunen Innenstoff gut sichtbare, Stickerei. Nun sieht mein Halbkreismantel – zumindest von innen – gleich ein wenig edler aus.

Donnerstag, 31. Dezember 2015

Ein Innenfutter für meinen mittelalterlichen Halbkreismantel

Nachdem ich mir im vergangenen Winter einen Halbkreismantel von der Spinnfaser an selbst gemacht habe, möchte ich heuer noch ein Innenfutter dafür anfertigen.

Wieso ich den bereits fertigen Mittelalter-Mantel nun noch abfüttern möchte
Während der vergangenen Mittelaltermarkt-Saison hat mir der Mantel bereits gute Dienste geleistet. Er hat mich an kühleren Sommertagen und -abenden gut gewärmt. Aber gegen Regennässe und Wind war er doch nicht besonders widerstandsfähig. Das ist auch kein Wunder, denn einerseits habe ich während der verschiedenen Arbeitsschritte das Wollfett so ziemlich ausgewaschen. Andererseits wurde der Stoff, den ich aus naturgrauer Steinschafwolle gewebt habe, eher grob. Ich habe noch ein paar Versuche unternommen, den fertigen Mantel etwas anzufilzen, um ihn dichter zu bekommen, Doch das ließ das Material nur eingeschränkt zu. Die Fasern der Steinschafwolle sind eher glatt und und nur schlecht zum Filzen geeignet. Das andere Problem, das ich mit dem Mantel habe, ist, daß sich ein paar Nähte, die durch die Fibel und das Tragen besonders beansprucht werden, allmählich lösen. Deshalb entschloß ich mich, meinem ohnehin schon eher schweren Mantel nun doch noch ein Innenfutter zu gönnen. Ich hoffe, daß er dadurch etwas stabiler wird und Wind und Regen ein wenig besser trotzen kann.

Das Garn, um daraus den Stoff für mein Halbkreismantel-Innenfutter zu weben, werde ich wieder selber spinnen
Für das Innenfutter habe ich mich für dunkelbraune Jakobschaf-Wolle entschieden. Ich wollte die Innenseite in einer natürlichen Kontrastfarbe anfertigen. Diese Wolle habe ich als Kammzug mal probeweise versponnen. Da das gut von der Hand ging und ich auch einen schönen, dünnen zweifach verzwirnten Faden produzieren konnte (es soll ein eher leichter Wollstoff werden, der Mantel ist auch so schon schwer genug), fiel meine Wahl dann auf diese Fasern.
Nach ein wenig Rechnerei habe ich mir dann anderthalb Kilo davon bestellt, und etwa 300 Gramm sind nun auch schon versponnen. Im Moment trocknet das Garn nach dem Entspannungsbad noch, aber bald werde ich den Webrahmen zum ersten Mal bespannen können.

Der Futterstoff möchte ich in vier Einzelstücken weben
Damit die Kettfäden noch einigermaßen handhabbar bleiben, werde ich den Stoff nicht in einem Stück weben, sondern als vier Einzelteile. Die Kettfäden werden trotzdem etwa 1,80 Meter lang sein. Die fertigen Stoffbahnen werde ich dann wieder in je ein gleichschenkliges Dreieck in der Mitte und zwei rechtwinklige an den beiden Seiten zerschneiden, wie es die Schemazeichnung zeigt. 

Zuschnittplan für mittelalterlichen Halbkreismantel und dessen Futter
 
Die rechtwinkligen Dreiecke werde ich mit den Längsseiten so zusammennähen, daß daraus ebenfalls gleichschenklige Dreiecke entstehen, die ich dann so, wie in der zweiten Zeichnung zu sehen ist, aneinander nähe. In der Mitte werde ich einen halbrunden Halsausschnitt einfügen. Ich bin mir nicht sicher, ob das dem großen „A“ gerecht wird. Aber bei meinem Mantel habe ich das letztes Jahr schon so gemacht, und den Ausschnitt auch mit einem kleinen, schlichten Kragen eingefaßt. Das hat dem Mantel dort oben eine gute Stabilität gegeben. Da ist bis jetzt noch nichts aufgegangen.

So werden die Dreiecke für das Futter des Mittelaltermantels zusammengefügt


Zum Schluß werde ich das Mantelfutter etwas anfilzen
Bevor ich dann das Futter einnähe, möchte ich versuchen, es durch Filzen ein wenig zu verdichten. Und dann hoffe ich, daß es von der Größe her auch wirklich mit dem Mantel übereinstimmt...
Tja, da liegt eine Menge Arbeit vor mir. Ich freue mich aber darauf, auch wenn ich vor dem Berg eintönig brauner Spinnasern schon ein wenig Respekt habe. Aber ich habe es ja letztes Jahr schon einmal geschafft, und bei meiner selbst gesponnenen, gewebten und genähten Kotte war es auch nicht anders.

Montag, 4. August 2014

Mein Mittelalterkleid ist fertig

Nachdem ich es bereits einige Male auf Mittelalterfesten getragen habe, hab ich es nun auch noch geschafft, mein fertiges Kleid zu fotografieren:

Mittelalterkleid aus handgesponnen- und gewebtem Wollstoff


Da das leinene Unterkleid noch darunter kommt, war es bei gut dreißig Grad auf einigen Mittelaltermärkten schon recht warm in meiner Gewandung. Trotzdem trug ich sie voll Stolz, nach all der Arbeit, die ich hineingesteckt habe.

Nachdem ich das Wollkleid zusammengenäht hatte, hab ich mit meinem Schul-Webrahmen ein paar brettchengewebte Bänder angefertigt. Diese zieren nun den Halsausschnitt und die Ärmel meines Kleides. Auch der Gürtel ist brettchengewebt. Und um mich am Ende langsam wieder von der Handarbeiterei zu entwöhnen, machte ich aus braunen handgesponnenen und teils selbst gefärbten Wollresten noch eine Pilgertasche, in der ich alles unterbringen kann, was ich auf Mittelaltermärkten so immer mitschleppe.

mittelalterliche Pilgertasche


Ja, es war viel Arbeit, und schön ist es zu sehen, was ich da geschaffen habe! Nun fehlt meiner Gewandung noch ein warmer Mantel, falls es einmal keine dreißig Grad hat... Mal sehen, der nächste lange Winter kommt bestimmt!

Donnerstag, 8. Mai 2014

Fast vier Meter handgesponnener und -gewebter Stoff für mein Oberkleid fertig

Es geht voran! Ich hab jetzt eine Weile fast jede freie Minute in mein Mittelalterkleid gesteckt, und nun ist der knapp vier Meter lange Stoff für das Vorder- und Rückenteil des Oberkleides fertig:

Der handgewebte Stoff für mein Oberkleid


Jetzt macht die Sache wieder mehr Spaß. Wenn ich den Stoff um mich herum drapiere (die Ärmel sind ja sogar schon fertig genäht), kann ich mir nun bereits ein ungefähres Bild davon machen, wie das Kleid mal aussehen wird. Und es gefällt mir gut!

Wenn man den Stoff genauer anschaut, sieht man zwar, daß manche Stellen dichter und manche lockerer gewebt sind. Aber gleichmäßiger ging es irgendwie nicht. Dafür ist es Handarbeit. Und als Krönung hat meine Katze Elli den Webrahmen immer wieder als Liegeplatz benutzt, was stellenweise Spuren hinterlassen hat – verschobene Fäden und kleine Löcher. Ich konnte das aber wieder einigermaßen korrigieren. Und man muß schon genau hinsehen, um die Unregelmäßigkeiten zu erkennen.

Beim „Anprobieren“ habe ich festgestellt, daß der Stoff ungefähr einen halben Meter zu lang ist. Anscheinend habe ich die Kette etwas zu großzügig abgemessen und zu viel Einsprung in der Länge berechnet – von der Breite her paßt es aber. Da ich ja auch noch eine Stoffbahn für die seitlichen Geren brauche, der übrige halbe Meter dafür aber zu wenig ist, beschloß ich, das zu lange Stück zu recyclen. Ich maß genau ab, wieviel Stoff ich für das Vorder- und Rückenteil (die ich gern in einem Stück lassen möchte, damit ich mir die Nähte über den Schulter sparen kann) + Nahtzugaben, brauche. Dann faßte ich die Kettfäden an der Stelle, an der ich den Stoff abschneiden wollte, erst einmal mit Saumstichen ein, damit mir nicht gleich alles wieder aufging. Als das geschehen war, schnitt ich das zu lange Stück vorsichtig ab, damit die Schußfäden dabei auch wirklich heil blieben.

Und dann habe ich das, was zuviel war, wieder aufgetrennt und zu einem Knäuel gewickelt. So habe ich jetzt ein gutes „Startkapital“ für die Geren. Als Kettfäden möchte ich sie nicht verwenden, da sie doch bereits etwas strapaziert aussehen. Durch das Weben waren sie schon etwas (minimal) aneinandergefilzt. Aber als Schußfäden kann ich sie noch gut verwenden. Nun muß ich die Kettfäden für die Geren fertig spinnen, und dann kann ich bald damit loslegen.

Donnerstag, 3. April 2014

Die Vier-Meter-Mega-Kette für mein Mittelalterkleid auf den Webrahmen gespannt

Nachdem ich endlich genug (gut anderthalb Kilometer!) Wolle für die Kettfäden gesponnen hatte, war es soweit: Ich konnte die Kettfäden für den Hauptteil des Kleides (Vorder- und Rückenteil zusammen in einem Stück) schären. Schon das allein war ein mittleres Abenteuer.

Ich wollte es nach der Methode machen, bei der man die Kettfäden gleich beim Schären am Kettbaum befestigt und durch die Schlitze des Kammes zieht – hier der Link zu einemVideo, das diese Schärmethode erklärt. 

Also baute ich meine 80 Zentimeter breite Kromski Harfe am einen Ende meines Wohnzimmers auf. Und als ich den Schärpflock vier Meter davon entfernt positionieren wollte, merkte ich, daß der Raum zu klein dafür war. Doch mit etwas Improvisieren in Richtung Flur bekam ich die Strecke doch noch hin.

Danach begann das Hin- und Herwandern mit der Wolle zwischen Pflock und Webrahmen, was nicht nur mich in Bewegung brachte, sondern auch meine beiden Katzen. Die hatten ihre helle Freude mit den vielen Fäden und trieben mich zwischenzeitlich schier in den Wahnsinn!

Als nach einigem Kampf schließlich alles fertig geschärt war, flocht ich aus den langen Fäden erst einmal einen Zopf, um sie bis zum nächsten Tag stillzulegen, an dem ich mir für das Aufbäumen ein paar zusätzliche Hände organisiert hatte. Denn bei dieser Kettenlänge und -breite hätte ich es allein niemals geschafft, beim Aufrollen auch nur eine halbwegs gleichmäßige Spannung zu bekommen.

Am folgenden Tag wurde mir schnell klar, daß auch zwei Paar Hände für dieses waghalsige Unternehmen zu wenig waren. Am Ende waren wir zu dritt – einer drehte am Kettbaum, zwei entwirrten und hielten die Fäden. Außerdem dauerte die Aktion anstelle der von mir dafür einkalkulierten zehn Minuten dann doch eine gute Stunde...

Die vier Meter langen Kettfäden vor dem Aufbäumen auf meine Kromski Harfe


Nun ist meine Harfe aber fertig bespannt und ich hab bereits mit dem Weben angefangen. Bis jetzt habe ich keine größeren Probleme mit der Fadenspannung. Auch meine Sorge, daß die Kettfäden die Beanspruchung durch den Kamm nicht aushalten könnten, ist bis jetzt unbegründet. Sie fransen schon aus, aber bis jetzt hält es ganz gut.

Und nun folgt ein Geduldsspiel. Denn ich brauche für zehn Zentimeter fast einen ganzen Abend. Damit ich mich etwas besser orientieren kann und auch einen Fortschritt sehen kann, markiere ich mir am Rand alle zehn Zentimeter eine Stelle und einen Strich auf meinem Notizblock. Zwischendurch muß ich dann auch immer wieder Wolle nachspinnen. Für vierzig Zentimeter Stoff brauche ich ungefähr 50 Gramm Garn in Lace-Stärke.

Puh! Ob das wirklich bis zum Sommer was wird? Wer hatte eigentlich diese dämliche Idee mit dem selbstgemachten Stoff für mein Mittelalterkleid???

Freitag, 14. Februar 2014

Der Probestoff für die Ärmel meines Mittelalterkleides ist fertig gewebt!

Ich war die letzten Tage fleißig, und nun ist der Wollstoff, aus dem ich gern die Ärmel für das Kleid schneidern möchte, fertig. Den Anfang und das Ende habe ich mit einem Saumstich gesichert, damit sich nicht gleich alles wieder auftrennt. Obwohl ich mir vorstellen könnte, daß es eventuell auch so halten könnte. Denn die Merinowolle hat sich bereits beim Weben schon ein wenig aneinandergefilzt. Aber sicher ist sicher.

Der selbstgemachte Stoff für mein Mittelalterkleid trocknet in der Sonne


Nachdem der Stoff vom Webrahmen herunter war, hab ich ihn vorsichtig gewaschen und heute Nachmittag in der Sonne zum Trocknen aufgehängt. Er ist wirklich ein schön leichter Stoff geworden, und ich kann mir gut vorstellen, daraus ein Kleid zu machen, das am Ende nicht so dick und warm wie ein Wintermantel wird. Und von der Breite her ist er zwar ein wenig schmaler geworden, als auf dem Webrahmen, aber anscheinend habe ich den Einsprung ganz gut berechnet. Denn gestern Abend hab ich gleich noch meine Papierschablonen mit den Schnittmustern für die Ärmel daraufgelegt, und danach habe ich sogar noch den ein oder anderen Zentimeter (je nachdem, wie breit der Rand an der Stelle grade ist) in Reserve.


Wenn ich den Stoff auf dem Boden ausbreite, sieht man deutlich, wie unregelmäßig ich am Anfang noch gewebt habe. Doch mit der Zeit bekam ich den Bogen heraus, wie ich den Rand doch deutlich gerader hinbekommen konnte. Der Stoff ist auch in sich ein wenig wellig, weil ich es nicht geschafft habe, die Kette wirklich gleichmäßig aufzuspannen. Für die megalangen Kettfäden, aus denen Vorder- und Rückteil (am Liebsten an einem Stück) entstehen sollen, werde ich mir wohl eine helfende Hand zusätzlich organisieren. Einige Stellen sind auch lockerer gewebt als andere, besonders am Anfang. Aber das finde ich nicht schlimm. Schließlich ist es mein Erstlingswerk, und man muß den Stoff schon recht genau anschauen, um das zu sehen. Und ich habe ihn ganz bewußt ein gutes Stück länger gemacht, als es für die Ärmel nötig gewesen wäre. So kann ich mir die besseren Stellen für die einzelnen Teile ein wenig heraussuchen.

Etwas unregelmäßig gewebt ist der Stoff, aber ich mag ihn trotzdem


Nun werde ich noch versuchen, den Stoff vorsichtig etwas zu bügeln, ohne daß er hinterher ein Klumpen Filz ist. Ich habe mich noch nicht entschieden, ob ich dann gleich die Ärmel zuschneide und schon mal mit dem Nähen anfange, oder das Spinnen ein wenig forciere. Denn für meine Mega-Kette für Vorder- und Rückteil, die ich als Nächstes aufziehen möchte, fehlt mir noch Einiges an Garn. Mal sehen, wahrscheinlich mache beides mehr oder weniger gleichzeitig, damit weder das Spinnen noch das Nähen anfangen kann, nervig zu werden.

Ein Buchtip für alle, die sich eine Mittelaltergewandung selbermachen möchten
Die Serie "Kleidung des Mittelalters selbst anfertigen" von Wolf Zerkowski finde ich ganz gut. Ich besitze das mit Anleitungen für die Grundausstattung für die Frau, es gibt aber auch ein Anleitungsbuch für den Mann.


Dienstag, 11. Februar 2014

Neues Großprojekt begonnen: mein selbstgemachtes Mittelalter-Kleid

Ich geb's ja zu, es ist schon ein ziemlich wahnsinniges Unterfangen, das mir da vorschwebt. Aber versuchen möchte ich es, mir ein einfaches Mittelalterkleid selberzumachen – komplett selberzumachen: ein Unterkleid, ein Darüberkleid und dann noch was für den Kopf. Ich möchte also zuerst das Garn spinnen, es dann zu Stoff weben und daraus schließlich mit der Hand ein Kleid nähen. Mein Plan ist, es möglichst bis zum Sommer fertigzubekommen, damit ich es auf diversen Mittelaltermärkten anziehen kann. Mal sehen, ob das heuer wirklich etwas wird.

Den Leinenstoff für das Unterkleid wirklich selbst spinnen und weben?
Das erste Zugeständnis bei dem „komplett selbermachen“ hab ich jedoch bereits in Kauf genommen. Da das Unterkleid historisch korrekt aus Leinen bestehen sollte, wagte ich mich also zum ersten Mal daran, Leinen zu spinnen. Nach einer Weile klappte dies auch einigermaßen. Aber die Vorstellung, genug davon herstellen zu müssen, um danach etwa drei Meter Stoff in 80 cm Breite weben zu können, bremste meinen Enthusiasmus dann doch recht. Das Spinnen allein hätte wahrscheinlich schon ein Jahr gedauert. Also kaufte ich mir beim blau-gelben schwedischen „Mittelalter-Ausstatter“ einen naturfarbenen Leinenstoff, aus dem ich mein Unterkleid nähen wollte.

Das Unterkleid zuschneiden
Einen richtigen Schnitt hatte ich auch nicht. Ich wußte nur, daß es ein ganz einfaches Mittelalterkleid werden sollte, ein gerader Schnitt mit je einer Gere links und rechts. Also las ich mich durch das Netz und Bücher und fertigte mir schließlich ein Schnittmuster nach meinen Körpermaßen an, das ich in Originalgröße auf dünnes Papier aufmalte. Ich schnitt den Stoff danach zu (drei Meter Stoff und jede Menge Papier auf dem Boden, welch Freude für meine Katzis!).

Schnittschema mittelalterliches Unterkleid



Und dann per Hand zusammennähen
Schließlich hab ich die Einzelteile mit Stepp- und Vorstichen zusammengenäht und möglichst unsichtbar versäumt. Das klappte erstaunlich gut und dauerte auch nicht so ewig lange, wie ich befürchtet hatte. Was etwas nervte, war die Tatsache, daß ich den Beleg am Halsausschnitt falsch herum annähte und dies erst recht spät merkte, so daß ich alles wieder auseinandertrennen mußte und nochmal von vorn anfangen. Auch ein Ärmel war seltsamerweise (ich hab eigentlich gut aufgepaßt...) plötzlich linksherum angenäht. Aber ansonsten hat es richtig Spaß gemacht, und nun ist das Unterkleid fertig!

mittelalterliches Unterkleid aus Leinenstoff


Der Stoff für das eigentliche Mittelalterkleid wird selbstgemacht
Für das Darüberkleid hab ich mit ein gutes Kilo blaue Merinowolle gekauft. Bis jetzt sind die ersten 200 Gramm versponnen. Das geht zwar wesentlich schneller, als ich Leinen spinnen kann, dauert aber doch seine Zeit. In 100 Gramm muß ich etwa 30 Stunden investieren, dafür hat das (fertig zweifach verzwirnte) Garn dann auch eine traumhafte Lauflänge von ungefähr einem Kilometer!! Und nachdem ich entdeckt habe, daß ich inzwischen beim Spinnen sogar lesen kann und gar nicht mehr dauernd hinschauen muß, macht es gleich doppelt Spaß.


Es ist angewebt!
Nun habe ich begonnen, daraus ein etwas schmaleres Stück Stoff für die Ärmel als „Probestück“ zu weben. Mit einem 50/10er Kamm gibt das einen schönen, leichten Wollstoff, der sich hoffentlich auch gut weiterverarbeiten läßt. Mal sehen, mir fehlt noch ein gutes Stück.