Freitag, 27. Januar 2017

Meine gestrickte Wetterdecke 2017

Nun hat mich auch der Wetterdecken-Virus gepackt. Schon länger hab ich mir immer wieder die Fotos anderer Strickerinnen angesehen, die ihre Wetterdecken zeigten, und ich fand es zunehmend eine gute Idee, ein Jahr in dieser Weise abzubilden. Als dann im Dezember meine Qadrate-Decke fertig wurde, war klar, daß ich auch für das nächste Jahr wieder solch ein längerfristiges Projekt haben möchte. Also begann ich, mir genauer zu überlegen, welche Art von Jahresdecke ich am Besten stricken wollte, welches Muster ich dafür verwenden und welche Wolle geeignet sein könnte. In diesem Artikel werde ich nach und nach meine Fortschritte zeigen – und wahrscheinlich auch genug jammern, wenn ich mit der Zeit um meine Motivation kämpfen muß.

Dezember 2016 – die Planung für meine Wetterdecke wurde konkret

Nachdem ich mich ein wenig informiert hatte, war unsicher. Jahresdecken gab es in den verschiedensten Formen. Sollte es nun eine richtige Wetterdecke werden, in der ich festhielt, ob an einem Tag die Sonne schien, es wolkig war, stürmte oder schneite? Das wäre sicherlich auch interessant, aber schließlich entschied ich mich für eine Temperaturdecke. Ein Grund für diese Wahl war, daß es mir wohl leichter fallen würde, täglich nur die Temperatur abzulesen, als mich auf ein bestimmtes Wetterphänomen festzulegen. Es ist einfacher, zu einer bestimmten Zeit aufs Thermometer zu schauen und genau gesagt zu bekommen, wie warm oder kalt es gerade ist, als den Himmel zu betrachten und festzulegen, ob das heute eher ein wolkiger fast trockener Tag oder leichter Regen ist.

Welche Art von Jahresdecke sollte es werden?
Also eine Temperaturdecke, die festhielt, was mein Balkon-Thermometer etwa um 11.00 Uhr mittags verkündete. Nun brauchte ich noch ein Muster. Ich wollte nicht einfach nur glatt rechts stricken, aber zu kompliziert sollte es auch nicht werden. Schließlich muß ich ja ein ganzes Jahr täglich daran stricken, und da soll es schon ein Muster sein, das nach einer angemessenen Eingewöhnungszeit gut von der Hand ging.

Welches Muster ist für meine Wetterdecke geeignet?
Durch Zufall stieß ich auf den „Zickzack-Scarf“ von Christy Kamm, der mir auf Anhieb gefiel. Die Anleitung kann man sich kostenlos auf Ravelry herunterladen, und das tat ich auch. Ich beschloß, meine Temperaturdecke nach diesem Muster zu stricken, und zwar im Rippenmuster. Für jeden Tag wollte ich eine Rippe stricken. Ich fertigte ein Probestück an, und hatte anfangs einige Probleme mit dem Muster. Nein, es lag nicht an der Anleitung, sondern an meiner Umsetzung derselben. Aber mir gefiel das Zackenmuster so gut, daß ich es trotzdem für meine Decke nehmen wollte.

Welche Wolle paßt am Besten für die Decke und welche Farben brauche ich?
Da überlegte ich nur kurz und entschied mich für Sockenwolle. Diese ist dünn genug, damit die Decke nicht zu schwer wird. Außerdem gibt es sie in vielen Unifarben, und einige Knäuel davon konnte ich sogar aus meinem Vorrat verwenden. Den Rest kaufte ich mir dazu. Nun hoffe ich, daß meine Schätzung, welche Mengen ich von jeder Farbe benötigen werde, so einigermaßen hinkommt. Denn ich bin mir nicht sicher, ob es alle Farben gegen Ende des Jahres noch nachzukaufen gibt. Das muß ich mal auf mich zukommen lassen. Hier mal meine geplante Farbskala für die Decke. Am Anfang und am Ende sollen ein paar Zentimeter in naturfarbener Wolle werden. Ebenso die Trennrippen zwischen den Monaten.

Farbskala für meine Wetterdecke

Januar 2017 – die Temperaturdecke wird angeschlagen
Ich konnte es kaum erwarten, bis der erste Januar kam. Die naturfarbenen Randreihen hab ich vorher schon gestrickt, so daß ich gleich an Neujahr mit der ersten richtigen Temperaturreihe beginnen konnte. Und die war dann schwupps auch schon viel zu schnell wieder fertig. Jetzt mußte ich wieder einen ganzen Tag warten, bis ich weitermachen konnte...
Inzwischen ist es schon Routine geworden, mittags meine Temperaturkontrolle zu machen und am Abend eine Rippe zu stricken. Auch das Stricken hab ich jeden Tag geschafft, obwohl ich ja auch mal einen Tag auslassen könnte und später mehrere Rippen nachholen. Aber momentan klappt es gut und macht Spaß, ganz wie sich das im Januar auch noch gehört! Die Motivationskrise erwarte ich eher im Sommer... Mit dem Muster hab ich die ersten Tage schon noch ein wenig gehakelt, aber inzwischen kann ich mein Gestricke gut lesen und merke es sofort, wenn ich einen Fehler gemacht habe, so daß ich nicht mehr gleich die ganze Reihe wieder auftrennen muß.
Also, es geht gut voran! Hier zwei aktuelle Bilder meiner Decke:

Detailfoto vom Zickzackmuster

Meine Wetterdecke - Stand Ende Januar 2017

Meine Wetterdecke - Stand Ende Juli 2017

Noch immer stricke ich fleißig an meiner Temperaturdecke - jeden Abend eine Rippe, und beim Monatswechsel noch den naturfarbenen Trennstreifen dazu. Das ist nun ein schönes Ritual geworden, und nervt mich bis jetzt noch immer nicht. Auch die warmen Sommertemperaturen halten mich nicht wie befürchtet vom Deckenstricken ab. Ich breite das, was ich schon geschafft habe, gar nicht komplett über mir aus, wenn ich meine Rippe stricke, sondern lasse den größten Teil zusammengelegt, wie ich die Decke aus der Stricktasche gezogen hab, und lege alles eher neben mich. Nur bei den vergangenen kalten Sommertagen war es ganz schön, mich bei Bedarf damit schon richtig zudecken zu können.
Nun bin ich allmählich gespannt, ob mir im Herbst auch alle Farben reichen. Ich hab ja bevor ich anfing meinen kompletten Materialbedarf auf einmal gekauft, damit ich gegen Ende der Decke, wenn ja schon fast ein Jahr vergangen ist, nicht Probleme bekomme, Knäuel nachzukaufen. Mal sehen, bis jetzt schaut es noch ganz gut aus.

Wetterdecke 2017 - Stand Ende Juli



Ach ja, meinem Kater Aramis gefällt die Decke bereits im halbfertigen Zustand außerordentlich gut. Bin gespannt, wer von uns beiden am Ende die Eigentumsrechte durchsetzen kann ...

Nun haben wir 2018, und die Wetterdecke von 2017 ist immer noch nicht fertig...

Naja, die Decke an sich könnte man als fertig bezeichnen. Zumindest die täglichen Streifen hab ich ohne Probleme fertig gestrickt. Das war das ganze Jahr hindurch eigentlich gar kein Problem. Ich hab mich jeden Tag auf meine zu strickende Rippe gefreut. Das wurde zu einem schönen Ritual. Die Abschlußkante ging auch noch. Aber dann wurde es schwierig. Das Jahr war zu Ende, und ich brauchte noch zwei Abschlußkanten an den Seiten. Zwei sehr lange Kanten, von denen ich eigentlich keine Ahnung hatte, wie ich sie am Besten machen sollte.

die eigentlich fertige Wetterdecke 2017


Irgendwannn im Januar nahm ich mir die Decke dann vor und strickte an einer Kante ein Stück glatt rechts. Damit es sich nicht so stark einrollt, hab ich am Ende noch ein paar Rippen gestrickt. Natürlich hat das nicht viel gebracht. Nach dem Abketten rollte sich der Rand selbstverständlich ein. Aber ich wollte die Kante nicht mehr auftrennen. Die Decke sollte endlich fertig werden! Also fertigte ich die zweite Seitenkante ebenso an und war damit genauso unzufrieden, wie mit der ersten.

Das Resultat war, daß meine an sich schöne Wetterdecke wieder mal wochenlang herumlag, obwohl ich noch das Jahr, die Legende und die Monate am Rand aufsticken wollte, um wirklich damit fertig zu werden. Irgendwann im Februar hatte ich es satt, daß die Decke immer noch fast vollendet herumlag. Ich begann, das Jahr auf eine der Schmalkanten zu sticken, und es machte sogar Spaß. 



Ein paar Tage lang nahm ich mich wirklich zusammen und bestickte die Ränder, auch in der Hoffnung, daß sich die Seitenkanten durch die Stickereien nicht mehr so stark einrollen würden. Aber diese Hoffnung zerschlug sich leider. Jetzt hab ich eine an sich fertige Wetterdecke für das Jahr 2017, aber ich bin mir sicher, daß ich mich künftig immer über die „Rollränder“ ärgern werde, wenn ich das nicht doch noch irgendwie besser hinbekomme. Und das wäre viel zu schade, denn an sich finde ich die Decke richtig schön. Es macht auch Spaß, immer wieder mal nachzuschauen, wie denn die Temperaturen vor einem Jahr gewesen sind.



Also überlegte ich, wie ich diese Ränder noch glatter bekommen könnte. Spannen würde da nicht viel bringen. Im Moment stricke ich nochmal einen schmalen Streifen glatt rechts, den ich dann von hinten auf den Rand aufnähen möchte. Das würde auch die unschöne Rückseite der Stickereien etwas verdecken. Mal sehen, ob es den gewünschten Erfolg bringt. Ich möchte jetzt langsam mal wirklich fertig mit dieser Decke werden!

unschöner Rollrand

Der Rollrand ist nun noch etwas schöner geworden

Es ist schon eine Weile her, aber ich möchte hier doch noch nachreichen, daß ich für den Rand, der sich so unschön zusammengerollt hatte, eine Lösung gefunden habe. Es wurde keine besonders elegante Lösung, aber zumindest gefällt mir der Rand nun besser als zuvor.

Nachdem ich mir mehrere Möglichkeiten lang und breit überlegt hatte, hab ich schließlich einfach mit der beigefarbenen Wolle für beide Ränder je einen Streifen glatt rechts in der richtigen Breite gestrickt. Diesen Streifen habe ich dann links auf links auf die Rückseite der Umrandung genäht. Jetzt rollt sich nichts mehr ein. Außerdem kann man auch die rückwärtigen Fäden von der Stickerei nicht mehr sehen. Und so wollte ich es ja eigentlich haben.

Mein Resümee zu meinem Wetterdecken-Projekt

Es war ein sehr schönes Langzeit-Projekt! Und ich könnte mir gut vorstellen, irgendwann einmal wieder eine Jahres-Wetterdecke zu stricken, vielleicht auch mal zu häkeln. Erstaunt hat mich dabei besonders, wie diszipliniert ich doch dabeigeblieben bin über das ganze Jahr hinweg. Und auch meine Temperaturablesungen waren kein großes Problem. Vergessen hab ich sie eigentlich an keinem einzigen Tag. Manchmal war ich zu der entsprechenden Uhrzeit nicht zu Hause, aber dann konnte ich den Wert ungefähr schätzen.

Meine tägliche Rippe zu stricken, wurde zu einem Ritual, das ich nach Beendigung dieses Projektes sogar eine ganze Weile lang vermisste. Etwas nervig wurde es erst, als die eigentliche Decke schon fertig war, und ich noch den Rand daranstricken mußte. Und als das dann auch noch für ein paar Schwierigkeiten sorgte, wurde es zäh. Aber mit Geduld und auch mal einer längeren Pause, in der ich mich handarbeitstechnisch einigen Dingen widmete, die mir in dem Moment mehr Spaß machten, kam dann im Laufe des Jahres schließlich auch noch der Rand zu einem guten Ende. Jetzt, im Herbst 2018, liegt die Decke auf meinem Bett und wärmt mir in den kühl gewordenen Nächten meine Füße.

Wir haben inzwischen das Jahr 2020 ...

Ein paar Jahre sind vergangen und ich schaue immer noch gern nach, welche Temperatur wir am aktuellen Tag damals hatten. Nun hab ich Lust, auch dieses Jahr wieder das Wetter zu dokumentieren - in Form einer Wettertasche für das Jahr 2020.


Donnerstag, 26. Januar 2017

Ich habe ein Dinkelkissen genäht – hier die Anleitung

Dinkelkissen sind wie auch andere Körnerkissen, Kirschkernkissen oder Heublumensäcklein schon lange ein fester Bestandteil der naturheilkundlichen Hausapotheke. Vor ein paar Tagen versuchte ich mich nun daran, ein einfaches Dinkelkissen selbst zu nähen. Und mit dem Resultat bin ich sehr zufrieden:

mein selbstgenähtes Dinkelkissen


Die Nähanleitung – kurz und kompakt:

Man benötigt 30 x 30 cm Baumwollstoff, einen passenden Nähfaden und 150 g Dinkelkörner

  • Den Stoff ringsum mit Zickzackstich versäubern,
  • dann rechts auf rechts in der Mitte zu einem Rechteck 30 x 15 cm zusammenfalten,
  • eine kurze und die lange Seite füßchenbreit mit Geradstich zusammennähen,
  • das Säcklein wenden und die Ecken gut herausholen;
  • portionsweise 5x 30 Gramm Dinkelkörner einfüllen und nach jeder Portion die gerade befüllte Kammer abnähen – es entstehen fünf Kammern, die mit je 30 Gramm Dinkel befüllt sind;
  • noch eine Mittelnaht der Länge nach herunter nähen, schon ist das Kissen fertig.


Dieses Material habe ich verwendet:

Ich habe einen dünnen bedruckten Baumwollstoff genommen, den ich auch zum Patchworken gern verwende. Für das Körnerkissen habe ich den Stoff zu einem Quadrat mit einer Seitenlänge von 30 cm mal 30 cm zugeschnitten.
Außerdem wog ich noch etwa 150 Gramm Bio-Dinkelkörner zum Füllen ab.

So habe ich das Dinkelkissen genäht:

Zuerst habe ich meinen Stoff an allen vier Kanten mit Zickzackstich eingesäumt. Das wäre vielleicht nicht nötig gewesen, aber es erschien mir sicherer. Schließlich wird die Innenseite des Säckleins ja durch die Dinkelkörner, die sich ständig bewegen, schon ziemlich beansprucht. Und ich wollte sichergehen, daß sich die Nahtzugaben dadurch nicht auflösen und dann die Nähte aufgehen.

Danach wurde der Stoff in der Mitte einmal gefaltet, so daß ich anschließend ein doppellagiges Rechteck von 30 cm mal 15 cm hatte. Die Stoffhälften müssen rechts auf rechts übereinander liegen, man sieht also nur die linken Innenseiten des künftigen Säckleins.

Nun nähte ich die lange Kante und eine der beiden kurzen mit Geradstich füßchenbreit zusammen. Eine der kurzen Seiten muß als Wende- und Befüllöffnung offen bleiben.

Den Beutel wendete ich, und schon war er bereit dazu, befüllt zu werden.

Ich hielt es für sinnvoll, mein Dinkelkissen in mehrere Kammern aufzuteilen. So sind die Körner im gesamten Beutel relativ gleichmäßig verteilt. Das Wärmekissen kann dann über seine gesamte Fläche die Hitze wieder abgeben, nicht nur an den Stellen, an denen sich der Dinkel durch die Schwerkraft sammelt.

Es sollten fünf etwa gleichgroße Kammern werden. Deswegen portionierte ich die Körner zu fünf Häufchen mit je 30 Gramm. Die erste Portion gab ich in mein Kissen, dann nähte ich knappe fünf Zentimeter vom unteren Rand entfernt eine parallele Naht. Da mir die Körner sofort im Beutel verrutschten und natürlich auch den Weg meiner Nadel blockieren (eine hab ich sogar verbogen, weil ich auf eines der harten Körner draufkam), hab ich den Dinkel ganz zu der Seite geschoben, an der ich nicht nähen wollte, und ihm mit eng gesteckten Stecknadeln den Rückweg versperrt. So ging das Nähen dann ganz gut.

Auf diese Weise hab ich nach und nach die fünf Kammern portionsweise befüllt und abgenäht, zum Schluß die Nahtzugabe der oberen Öffnung etwa einen Zentimeter breit nach innen geschlagen, und das Körnerkissen verschlossen. Nun hatte mir der Dinkel im Innern noch immer zu viel Bewegungsspielraum. Deshalb faltete ich mein Wärmekissen einmal der Länge nach, verteilte die Körner gleichmäßig zu beiden Seiten und nähte auch noch einmal in der Mitte von oben nach unten. Nun besteht das Kissen aus 10 ungefähr gleichgroßen Kammern, und diese Aufteilung hat sich in der Praxis inzwischen auch schon gut bewährt.

Wie wird das Dinkelkissen angewendet?
Ein Körnerkissen kann man gut erhitzen, und es gibt anschließend die Wärme nach und nach wieder ab. Ist es abgekühlt, gleicht es sich der Körperwärme an und wird nicht unangenehm kalt. Man kann es zur Wärmebehandlung bei Muskelverspannungen oder schmerzenden Gelenken auflegen. Aber es tut auch einem gestreßten Bauch gut, wenn man es anstelle einer Wärmeflasche benutzen möchte. Man kann damit ein Babybettchen oder den Kinderwagen vor einer Ausfahrt anwärmen. Doch Vorsicht! Das Dinkelkissen wird so heiß, daß man sich durchaus daran verbrennen kann.

Das Erhitzen geht am Schnellsten in der Mikrowelle

Dazu wird das Wärmekissen bei etwa 600 Watt maximal eine Minute lang in der Mikrowelle erwärmt. Dabei muß sich der Teller frei drehen können, ohne daß das Dinkelkissen am Rand streift. Denn ansonsten besteht die Gefahr, daß es an einigen Stellen verbrennt. Am Besten behalten Sie es währenddessen im Blick und testen zwischendurch kurz, wie heiß es schon geworden ist.

Ich habe mein Kissen aber auch schon eine Weile lang einfach auf die Heizung gelegt, bis es eine angenehme Temperatur angenommen hat. Man kann es sicherlich auch im Backofen erwärmen. Das habe ich aber noch nicht ausprobiert.

Ein Körnerkissen kann auch als Kühlkompresse verwendet werden.

Weniger bekannt als die Verwendung zum Wärmen ist die Tatsache, daß man mit einem Dinkelkissen auch gut kühlen kann. Sportverletzungen, Insektenstiche, Entzündungen kann man anstatt mit einem Eisbeutel, auch mit einem Körnerkissen behandeln. Dazu wird das Säckchen in eine Plastiktüte gepackt und anschließend in das Gefrierfach gelegt, bis es kalt genug geworden ist, um seinen Zweck zu erfüllen.

Welche Art Getreide ist Dinkel eigentlich?
Dinkel ist mit dem Weichweizen eng verwandt. Er gehört botanisch zu den Spelzgetreiden. Als Spelz bezeichnet man die dünne Schutzhülle, die den weichen Kern eines Dinkelkorns schützend umgibt. Diese Spelzhülle muß entfernt werden, will man Weißmehl aus dem Getreide herstellen. Dinkel ist dem Weizen in vielerlei Hinsicht überlegen. Er besitzt mehr Vitamine, mehr Eiweiß und mehr Mineralien als sein Verwandter. Verwendet man Dinkel als Mehl zum Kochen oder Backen, sollte man am Besten Vollkornmehl verwenden, da dieses reicher an den Inhaltsstoffen ist, als Dinkel-Weißmehl. Für Menschen mit einer Gluten-Unverträglichkeit ist Dinkel jedoch genauso wenig geeignet, da auch er dieses Klebereiweiß enthält.
(Quelle: Artikel auf der Homepage „Zentrum der Gesundheit“)


Bereits Hildegard von Bingen schätzte den Dinkel

Im Mittelalter wurde der Dinkel vor allem im süddeutschen Raum angebaut. Gegessen haben ihn die Menschen als Brot oder Brei. Damals waren auch Weizen, Hafer, Roggen oder Gerste weit verbreitet. Hildegard bevorzugte ihnen gegenüber aber den Dinkel als gute Kost für Gesunde und Kranke. In ihrer „Physica“ schreibt sie, der Dinkel bereite dem Menschen „rechtes Fleisch und rechtes Blut und schenkt ihm außerdem ein frohes Gemüt“. Kranken empfahl sie, gekochten Dinkelbrei zu essen, denn dieser würde sie „innerlich heilen wie eine gute Salbe“.
(Quelle: Hildegard von Bingen Dinkelkochbuch, Moewig Verlag)


Exkurs: Rezept für ein Dinkel-Vollkornbrot nach Hildegard von Bingen, das ich gern backe

Das Grundrezept, das ich dem Hildegard von Bingen Dinkelkochbuch des Moewig Verlags entnommen habe, besteht lediglich aus:

1000 g Dinkel-Vollkornmehl
750 ml lauwarmes Wasser
40 g frische Hefe
20 g Kräutersalz

Ich gebe außerden gern noch dazu:

eine Handvoll Körner, was ich grade da hab, z. B. Grünkern, Dinkel, Roggenschrot, Sonnenblumenkerne. Die Getreidekörner sollten mindestens eine Stunde vorher mit etwas heißem Wasser eingeweicht werden, besser noch länger
3 TL Brotgewürz
evtl. etwas Kümmel


Das Mehl in eine große Schüssel geben, oben eine Mulde formen und die Hefe dort hineinbröckeln. Etwas Zucker dazu, damit die „Hefis“ was zu futtern haben und aufwachen. Mit etwas von dem abgemessenen Wasser übergießen, bis die Hefeflocken gut damit bedeckt sind.

10 min diesen Vorteig gehen lassen, es sollten sich auf der Hefepfütze kleine Blasen gebildet haben.

Dann die restlichen Zutaten dazugeben und alles mit der Küchenmaschine gut verkneten.

Den Teig mit einem Tuch abdecken und etwa eine Stunde lang an einem warmen Ort gehen lassen, bis sich das Volumen ungefähr verdoppelt hat (vor Zugluft schützen!).

Etwa eine halbe Stunde vor Ende der Gehzeit den Backofen bei Ober- und Unterhitze auf 250 Grad vorheizen und eine feuerfeste Schüssel (z. B. Auflaufform) mit Wasser auf den Boden stellen.

Den fertig gegangenen Brotteig auf einer bemehlten Unterlage in zwei Teile halbieren. Diese vorsichtig zu 2 Laiben formen, nicht mehr viel darauf herumkneten. Nochmals ca. 10 min lang gehen lassen.

Die Laibe auf ein Backblech oder einen Pizzastein in den Ofen geben.

10 Minuten bei 250 Grad backen, dann auf 180 Grad zurückdrehen und noch 30 Minuten lang fertigbacken. Am Besten im ausgeschalteten Backofen langsam abkühlen lassen.

Das frische Brot schmeckt mit etwas Kräuterbutter sehr gut!


Und weil wir gerade beim Nähen sind – kleine Teesäckchen für Weihnachten machte ich auch

In der Vorweihnachtszeit brauchte ich einige kleine Präsente. Da ich gerade sowieso dem Näh-Virus verfallen war, fertigte ich aus Baumwollstoff kleine Täschlein an, die ich mit Teebeuteln und einem Teelicht befüllte. Die Taschen nähte ich mit Innenfutter, und nach ein paar Fehlversuchen klappte es auch, alles richtig zusammenzufügen, damit auch nach dem Wenden alles schön aussah und dort saß, wo es hingehörte. Ich mußte die fertigen Teesäcklein gleich fotografieren, weil sie so hübsch waren:

kleine Taschen für Weihnachten genäht



Und noch eine Besonderheit gibt es bei diesen Täschlein. Ich habe sie nämlich auf der alten Singer-Nähmaschine meiner verstorbenen Oma genäht, die noch mit Fußpedal angetrieben wird. Die Maschine war jahrzehntelang nicht mehr benutzt worden. Ich wußte jedoch aus Erzählungen, daß sie eigentlich nicht kaputt war, nur Zickzackstiche konnte man schon lange nicht mehr damit nähen. Kurz vor Weihnachten packte es mich und ich befreite das gute Stück erst einmal von der dicken Staubschicht, die sich in der Zeit angesammelt hatte. Ich ölte alle Teile, die sich bewegen sollten, und los ging es. Gut, daß meine Oma die Bedienungsanleitung aufgehoben hatte! Leider riß mir der lederne Antriebsriemen bald, ich konnte ihn aber wieder flicken, und für den Notfall fand ich heraus, daß man so einen sogar noch nachkaufen kann. Ich freue mich sehr darüber, daß ich dieses antike Stück wieder zum Leben erwecken konnte. Ich benutze sie gern und habe dabei das Gefühl, meiner Großmutter dabei ein wenig näher zu sein.

Montag, 25. April 2016

Mein Halbkreismantel ist fertig!

Den Mantel selbst habe ich ja schon vor einem Jahr aus handgesponnener Steinschafwolle angefertigt. Und nun ist er auch mit einem Innenfutter versehen – aus selbst gesponnener und in Leinwandbindung verwebter dunkelbrauner Jacobsschafwolle. 

mittelalterlicher Halbkreismantel mit Innenfutter


Alles von der Spinnfaser an selbst zu machen, braucht Zeit und Geduld
Es hat doch etwa vier Monate beansprucht, um das Futter fertig zu bekommen und in den Mantel zu einzunähen. Ein Motivationstief hat mich im Winter etwas ausgebremst, aber je näher die neue Mittelaltermarkt-Saison rückte, desto mehr Antrieb bekam ich wieder. Und nun freue ich mich darauf, den Mantel zum ersten Mal auszuführen und dabei zu testen, wie wärmend, winddicht und robust er durch das Füttern geworden ist. Leider hat er zu seinem bereits vorbestehenden Gewicht von etwa anderthalb Kilo nochmal ein gutes Kilo dazubekommen. Naja, im Vergleich zu dem, was manche Männer auf Mittelalterveranstaltungen an Rüstung mit sich herumschleppen müssen, ist das dann doch eher ein Klacks...



Das Innenfutter paßt nicht genau
Als ich die Dreiecke für das Innenfutter fertig aneinander genäht hatte, mußte ich noch entscheiden, wie ich es am Besten an dem Halbkreismantel befestige. Ich legte beides aufeinander und erkannte schnell, daß mein Futter von der Spannweite her ein wenig kleiner geworden war als der Mantel. Außerdem stellte ich fest, daß die Rundung meines Mantels viel ungleichmäßiger war, als ich gedacht hatte, und nun Außenteil und Futter nicht wirklich aufeinander paßten. Da ich mal irgendwo gelesen hatte, daß es wohl sogar Belege dafür gibt, daß im Mittelalter bei Mänteln das Innenfutter durchaus nicht immer unten herum festgenäht worden war, beschloß ich, das Innenteil nur am Kragen und an den Seiten festzunähen. So macht die Weitendifferenz nun nichts mehr aus. Außerdem fällt der Mantel auch schön.

dekorative Naht mit Hexenstichen


Ein hübsches Detail entstand beim Zusammennähen des Mantels eher zufällig
Damit mein Innenfutter gut hält, nähte ich es mit demselben Wollgarn, aus dem der Außenteil besteht, mit einer Reihe Hexenstiche fest. Das helle Grau ergab eine schöne, auf dem dunkelbraunen Innenstoff gut sichtbare, Stickerei. Nun sieht mein Halbkreismantel – zumindest von innen – gleich ein wenig edler aus.

Montag, 4. Januar 2016

Schafwolle nimmt Gerüche kaum an – es ist wirklich so

Und diese Tatsache hat mich vor ein paar Tagen wieder einmal freudig erstaunt. Und das bei einem ungewollten Härtetest.

Neben meinem aktuellen Mittelalter-Gewandungs-Großprojekt habe ich im Winter auch begonnen, mir einen schönen Pulli aus handgesponnener Merinowolle zu stricken. Es wird wieder ein Raglan-Pullover, da ich mit dieser Stricktechnik für meine selbst gesponnenen Garne gut zurechtkomme Als nun der Rumpfteil meines Pullis so gut wie fertig war, mußte ich eines Abends feststellen, daß mein Kater anscheinend meinen Handarbeitskorb als Katzenklo mißverstanden hatte.


Raglan-Pulli aus handgesponnener Merinowolle in Arbeit

Mein Kater hat in den Handarbeitskorb gepieselt!
Alles, was in dem Korb war, stank nach „Katzenpiesel“, auch der Projektbeutel mit meinem halbfertigen Pullover! Nach dem Ärger kam die Panik. Beutel und andere Wolle, die in dem Handarbeitskorb lagen, konnte ich einigermaßen gut waschen. Aber was sollte ich mit meinem angefangenen Pulli tun, der ebenfalls das tolle Katzenklo-Aroma hatte? Wie würde sich ein Waschen auf das Teil auswirken? Mal abgesehen davon, daß sich Nicht-Superwash-Schafwolle sowieso nicht besonders für intensive Waschaktionen eignet. Das Maschenbild von dem fertigen Stück würde sich verändern. Ich würde mich bei den Ärmeln, die noch folgen sollen, nicht mehr am Rumpfteil orientieren können. Und dann waren natürlich auch noch die verschiedenen angefangenen Knäuele und die, die ich für das Fertigstricken noch benötigen würde, ebenfalls in dem verseuchten Projektbeutel. Sollte ich die Wolle noch einmal haspeln und vorsichtig waschen? O weh! Ich liebe meine Katzis über alles, aber an diesem Abend hatte ich wirklich genug.

Nach zwei Tagen Auslüften roch mein Merino-Strickzeug kaum noch
Ich wusch und reinigte den Korb und alles, was darin war, so gut ich konnte. Doch meinen angefangenen Pulli und die dazugehörende Wolle legte ich erst einmal zum Lüften aus. „Günstigerweise“ ist gerade Winter, und ich habe keine Möglichkeit, die Sachen im Freien auszulüften oder zu trocknen. Toll, wirklich genial!

Doch dann geschah das Wunder. Schon von Anfang an müffelte die gekaufte Sockenwolle und ein paar Reste Synthetikgarn, die in dem Korb gelegen hatten, intensiver als meine Schafwolle, die sowieso auch einen prägnanten Eigengeruch hat. Und nun, zwei Tage nach dem Malheur, muß ich an meinem Schafwoll-Strickzeug schon genau schnüffeln, um noch etwas von dem Katzenurin-Duft zu riechen!

Ich werde nun den Pulli erst einmal wie geplant fertig stricken. Und danach bekommt er, wie es sowieso vorgesehen war, ein ausgiebiges Bad. Und, wenn nötig, auch noch ein paar weitere. Ich hoffe, daß ich dann das gute Stück auch tragen kann, ohne in meiner Umgebung ein Katzenklo-Aroma zu verbreiten.

Spinn- und Webeigenschaften von Jacobschafwolle – ein Erfahrungsbericht

Vor Kurzem habe ich damit begonnen, für meinen mittelalterlichen Halbkreismantel ein Futter anzufertigen. Den Stoff dafür werde ich aus selbst gesponnener und verwebter Jacobschafwolle herstellen. Da ich bei diesen Arbeiten inzwischen immer begeisterter von dieser Wolle wurde, möchte ich sie hier nun etwas genauer beschreiben.


So sieht das Jacobschaf aus

Die mittelgroßen robusten Tiere fallen vor allem wegen ihrer eindrucksvollen Hörner auf. Den Kopfschmuck besitzen beide Geschlechter, wobei weibliche Tiere meist nur zwei Hörner bekommen, männliche eher vier bis manchmal auch sechs Stück. Jacobsschafe haben ein braun-weiß oder schwarz-weiß geflecktes Wollkleid. Zur farbreinen Weiterverarbeitung werden die unterschiedlichen Wollflocken nach der Schur farblich sortiert.


Geschichte der Jacobschafe

Bei diesen Tieren handelt es sich um eine sehr alte Schafrasse, deren Name auf den biblischen Jacob zurückgehen soll. Angeblich lebten bereits vor 4000 Jahren Vorfahren der Jacobschafe in China und Persien. Nomaden sollen einige der Tiere nach Afrika gebracht haben. Von dort gelangten sie dann durch maurische Eroberer bis nach Spanien.

Spanische Seefahrer nahmen im 16. Jahrhundert gern Jacobschafe als „lebendigen Essensvorrat“ mit auf ihre Schiffe. So gelangten auch in andere Regionen der damals bekannten Welt. Jacobschafe sollen auch 1588 an Bord der spanischen Armada gewesen sein, als diese vor der Englischen Küste unterging. Einige der Tiere, die es schafften, sich an Land zu retten, siedelten sich danach dort an.

Im Lauf der Zeit wurde die Population der Jacobschafe auf dem Europäischen Festland und auch auf der Britischen Insel immer kleiner, bis sie schließlich vom Aussterben bedroht waren. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts fand die Rasse unter anderem auch in Deutschland genügend Liebhaber, die sich für deren Erhalt einsetzten. Jetzt hat sich die Anzahl der Jacobschafe wieder einigermaßen stabilisiert.


Spinneigenschaften der Jacobschafwolle

Für mein Projekt verwende ich braune Jacobschafwolle im Kammzug vom „Wollschaf“. Die Fasern besitzen eine Feinheit von 32 bis 34 Micron. Sie haben eine Stapellänge von 8 bis 9 cm. Laut Rassestandard sind etwa 7 bis 18 cm möglich. Die Spinnfasern fühlen sich griffig und weich an, sind aber etwas rauer als z. B. Merino. In dem dunklen Kammzug sind wenige weiße Grannenhaare und auch ein paar Reste von Gras deutlich sichtbar. Diese zupfe ich teilweise schon vor dem Spinnen oder auch währenddessen heraus. Das bremst die Verarbeitung ein wenig, finde ich aber nicht weiter schlimm.


Wolle vom Jacobschaf läßt sich gut verspinnen

Der Kammzug läßt sich gut verspinnen und ist auch für Anfänger gut geeignet. Man soll damit auch gut filzen können, das habe ich selbst aber noch nicht ausprobiert. Ich verspinne die Fasern im kurzen Auszug, da ich gern einen stabilen Faden bekommen möchte, der auch die Belastung als Kettfaden beim Weben aushält. Deswegen kettenverzwirne ich es auch anschließend noch zu einem dreifädigen Garn. Im Entspannungsbad zeigt sich, daß noch viel Staub in den Fasern ist, denn das Wasser verfärbt sich deutlich braun.

Durch das Bad flufft das Garn flufft noch ein gutes Stück auf. Im Ergebnis kann ich daraus einen Faden von etwa Fingering Weight herstellen. Da ich für mein Mega-Projekt (ca. anderthalb Kilo Fasern) meinen Schwerpunkt mehr auf Schnelligkeit als auf einen schönen Faden lege, hat mein Garn viele dickere und dünnere Stellen bekommen. Ich bin mir sicher, daß man auch einen wesentlich gleichmäßigeren Faden daraus spinnen kann, wenn man etwas sorgfältiger arbeitet, als ich es bis jetzt tat.


handgesponnenes Garn aus Jacobschafwolle


Wolle vom Jacobschaf verweben

Das ist der absolute Hammer! Ich hab schon andere handgesponnene Garne für meine Reenactment-Projekte verwebt (z. B. Merino vom Kammzug und Batt, Steinschaf), aber so toll wie das Jacobschaf war nichts davon. Ich webe auf meiner 80 cm breiten Kromski Harfe, die ich auch fast zur vollen Breite bespannt habe, mit einem 10 dpi (40 Fäden auf 10 cm) Webblatt.

Schon das Aufziehen der Kette verlief absolut problemlos. Und was mich besonders beeindruckt, ist die Tatsache, daß die Kettfäden der Beanspruchung durch den Webkamm super trotzen. Obwohl ich nicht zimperlich mit ihnen umgehe, zeigen sie so gut wie keine Abriebspuren! Und bis jetzt kam auch noch keine der dünneren Stellen meiner Kette auch nur in die Versuchung, zu reißen. In meinen bisherigen Webversuchen mit Schafwolle war es eigentlich immer so, daß die Kettfäden ein wenig aneinanderfilzten. Das ist beim Jacobschaf gar nicht der Fall. Vielleicht ist es auch mit einem engeren Webblatt anders (das probiere ich eventuell auch noch mal aus). Aber im Moment bin ich von den Webeigenschaften dieser Wolle einfach nur begeistert.

Es entsteht ein lockeres Gewebe, das auf dem Rahmen schon recht durchscheinend aussieht. Aber ich möchte für das Futter meines Halbkreismantels auch einen lockeren, nicht zu schweren Stoff bekommen. Außerdem denke ich, daß die Löchlein durch das anschließende Waschen noch kleiner werden. So weit bin ich mit meiner Arbeit jedoch noch nicht.

handgesponnene Wolle vom Jacobschaf eignet sich zum Weben


Mein Fazit zur Verarbeitung der Wolle vom Jacobschaf

Ich bin begeistert von diesem Material. Schon das Spinnen geht leicht von der Hand und macht Spaß. Lediglich das Herauszupfen der Grannenhaare ist etwas lästig, weil es mein Spinntempo bremst. Das fertige Garn ist robust und kommt sogar prächtig mit der Belastung als Kettfaden beim Weben zurecht. Es fühlt sich mittelmäßig weich an und ist für das Innenfutter meines Mantels gut geeignet. Ich kann mir vorstellen, daß es – etwas fluffiger im langen Auszug versponnen – auch für einen gestrickten Pulli oder eine Jacke gut verwendbar ist. Für mein Vorhaben ist es die ideale Faser. Die Tatsache, daß sie von einer sehr alten und auch noch immer bedrohten Schafrasse stammt, macht sie für mein Mittelalterprojekt um so geeigneter. Ich freue mich darauf, bald wieder weiter mit der Wolle vom Jacobschaf zu spinnen und zu weben. 


Quellen
Homepage des Jacob-Hof Speuß
Homepage des Online-Versandhauses „DasWollschaf“

 


Donnerstag, 31. Dezember 2015

Ein Innenfutter für meinen mittelalterlichen Halbkreismantel

Nachdem ich mir im vergangenen Winter einen Halbkreismantel von der Spinnfaser an selbst gemacht habe, möchte ich heuer noch ein Innenfutter dafür anfertigen.

Wieso ich den bereits fertigen Mittelalter-Mantel nun noch abfüttern möchte
Während der vergangenen Mittelaltermarkt-Saison hat mir der Mantel bereits gute Dienste geleistet. Er hat mich an kühleren Sommertagen und -abenden gut gewärmt. Aber gegen Regennässe und Wind war er doch nicht besonders widerstandsfähig. Das ist auch kein Wunder, denn einerseits habe ich während der verschiedenen Arbeitsschritte das Wollfett so ziemlich ausgewaschen. Andererseits wurde der Stoff, den ich aus naturgrauer Steinschafwolle gewebt habe, eher grob. Ich habe noch ein paar Versuche unternommen, den fertigen Mantel etwas anzufilzen, um ihn dichter zu bekommen, Doch das ließ das Material nur eingeschränkt zu. Die Fasern der Steinschafwolle sind eher glatt und und nur schlecht zum Filzen geeignet. Das andere Problem, das ich mit dem Mantel habe, ist, daß sich ein paar Nähte, die durch die Fibel und das Tragen besonders beansprucht werden, allmählich lösen. Deshalb entschloß ich mich, meinem ohnehin schon eher schweren Mantel nun doch noch ein Innenfutter zu gönnen. Ich hoffe, daß er dadurch etwas stabiler wird und Wind und Regen ein wenig besser trotzen kann.

Das Garn, um daraus den Stoff für mein Halbkreismantel-Innenfutter zu weben, werde ich wieder selber spinnen
Für das Innenfutter habe ich mich für dunkelbraune Jakobschaf-Wolle entschieden. Ich wollte die Innenseite in einer natürlichen Kontrastfarbe anfertigen. Diese Wolle habe ich als Kammzug mal probeweise versponnen. Da das gut von der Hand ging und ich auch einen schönen, dünnen zweifach verzwirnten Faden produzieren konnte (es soll ein eher leichter Wollstoff werden, der Mantel ist auch so schon schwer genug), fiel meine Wahl dann auf diese Fasern.
Nach ein wenig Rechnerei habe ich mir dann anderthalb Kilo davon bestellt, und etwa 300 Gramm sind nun auch schon versponnen. Im Moment trocknet das Garn nach dem Entspannungsbad noch, aber bald werde ich den Webrahmen zum ersten Mal bespannen können.

Der Futterstoff möchte ich in vier Einzelstücken weben
Damit die Kettfäden noch einigermaßen handhabbar bleiben, werde ich den Stoff nicht in einem Stück weben, sondern als vier Einzelteile. Die Kettfäden werden trotzdem etwa 1,80 Meter lang sein. Die fertigen Stoffbahnen werde ich dann wieder in je ein gleichschenkliges Dreieck in der Mitte und zwei rechtwinklige an den beiden Seiten zerschneiden, wie es die Schemazeichnung zeigt. 

Zuschnittplan für mittelalterlichen Halbkreismantel und dessen Futter
 
Die rechtwinkligen Dreiecke werde ich mit den Längsseiten so zusammennähen, daß daraus ebenfalls gleichschenklige Dreiecke entstehen, die ich dann so, wie in der zweiten Zeichnung zu sehen ist, aneinander nähe. In der Mitte werde ich einen halbrunden Halsausschnitt einfügen. Ich bin mir nicht sicher, ob das dem großen „A“ gerecht wird. Aber bei meinem Mantel habe ich das letztes Jahr schon so gemacht, und den Ausschnitt auch mit einem kleinen, schlichten Kragen eingefaßt. Das hat dem Mantel dort oben eine gute Stabilität gegeben. Da ist bis jetzt noch nichts aufgegangen.

So werden die Dreiecke für das Futter des Mittelaltermantels zusammengefügt


Zum Schluß werde ich das Mantelfutter etwas anfilzen
Bevor ich dann das Futter einnähe, möchte ich versuchen, es durch Filzen ein wenig zu verdichten. Und dann hoffe ich, daß es von der Größe her auch wirklich mit dem Mantel übereinstimmt...
Tja, da liegt eine Menge Arbeit vor mir. Ich freue mich aber darauf, auch wenn ich vor dem Berg eintönig brauner Spinnasern schon ein wenig Respekt habe. Aber ich habe es ja letztes Jahr schon einmal geschafft, und bei meiner selbst gesponnenen, gewebten und genähten Kotte war es auch nicht anders.

Socken für Flüchtlinge sind fertig!

Bereits im September habe ich begonnen, für Menschen, die aus Kriegsgebieten in meine Stadt geflüchtet sind, warme Wintersocken zu stricken.
Obwohl ich wirklich drangeblieben bin, hat sich diese Strickaktion doch bis kurz vor Weihnachten hingezogen. Eigentlich wollte ich es ja vermeiden, meine Sockenspende knapp vor dem Fest abzugeben, da zu dieser Zeit bestimmt viele Leute etwas spenden. Aber eher bin ich einfach nicht fertig geworden. Und als es dann soweit war, wollte ich die Strümpfe auch "an die Leute bringen". Außerdem brauchte ich den Platz für die anderthalb Kilo Spinnfasern, die ich für ein neues Großprojekt bestellt hatte.
Also trug ich meinen Karton voller Socken (nicht ohne eine gute Portion Freude und Stolz) zur örtlichen Caritas-Kleiderkammer, da ich sichergehen wollte, daß meine Strümpfe auch wirklich bei den Leuten ankommen, die sie brauchen. Dort sah ich dann bereits auf einer Bank im Flur die Menschen sitzen, für die ich gestrickt hatte. Die Leute warteten geduldig darauf, nach und nach in das Anprobezimmer eingelassen zu werden, wo zwei Mitarbeiterinnen damit beschäftigt waren, für jeden das passende Kleidungsstück herauszusuchen, das er oder sie gerade brauchte.
Als ich mit meinem Sockenkarton dort ankam und ihn schließlich einer Mitarbeiterin übergab, bekamen das die Flüchtlinge am Gang mit. Als ich dann wieder ging, bedankten sie sich überschwänglich bei mir. Es war eine etwas eigenartige Situation. Aber ich bin mir sicher, daß meine Sockenspende bei den Leuten angekommen ist, für die sie bestimmt war. Und das war mir wichtig.