Freitag, 27. Januar 2017

Meine gestrickte Wetterdecke 2017

Nun hat mich auch der Wetterdecken-Virus gepackt. Schon länger hab ich mir immer wieder die Fotos anderer Strickerinnen angesehen, die ihre Wetterdecken zeigten, und ich fand es zunehmend eine gute Idee, ein Jahr in dieser Weise abzubilden. Als dann im Dezember meine Qadrate-Decke fertig wurde, war klar, daß ich auch für das nächste Jahr wieder solch ein längerfristiges Projekt haben möchte. Also begann ich, mir genauer zu überlegen, welche Art von Jahresdecke ich am Besten stricken wollte, welches Muster ich dafür verwenden und welche Wolle geeignet sein könnte. In diesem Artikel werde ich nach und nach meine Fortschritte zeigen – und wahrscheinlich auch genug jammern, wenn ich mit der Zeit um meine Motivation kämpfen muß.

Dezember 2016 – die Planung für meine Wetterdecke wurde konkret

Nachdem ich mich ein wenig informiert hatte, war unsicher. Jahresdecken gab es in den verschiedensten Formen. Sollte es nun eine richtige Wetterdecke werden, in der ich festhielt, ob an einem Tag die Sonne schien, es wolkig war, stürmte oder schneite? Das wäre sicherlich auch interessant, aber schließlich entschied ich mich für eine Temperaturdecke. Ein Grund für diese Wahl war, daß es mir wohl leichter fallen würde, täglich nur die Temperatur abzulesen, als mich auf ein bestimmtes Wetterphänomen festzulegen. Es ist einfacher, zu einer bestimmten Zeit aufs Thermometer zu schauen und genau gesagt zu bekommen, wie warm oder kalt es gerade ist, als den Himmel zu betrachten und festzulegen, ob das heute eher ein wolkiger fast trockener Tag oder leichter Regen ist.

Welche Art von Jahresdecke sollte es werden?
Also eine Temperaturdecke, die festhielt, was mein Balkon-Thermometer etwa um 11.00 Uhr mittags verkündete. Nun brauchte ich noch ein Muster. Ich wollte nicht einfach nur glatt rechts stricken, aber zu kompliziert sollte es auch nicht werden. Schließlich muß ich ja ein ganzes Jahr täglich daran stricken, und da soll es schon ein Muster sein, das nach einer angemessenen Eingewöhnungszeit gut von der Hand ging.

Welches Muster ist für meine Wetterdecke geeignet?
Durch Zufall stieß ich auf den „Zickzack-Scarf“ von Christy Kamm, der mir auf Anhieb gefiel. Die Anleitung kann man sich kostenlos auf Ravelry herunterladen, und das tat ich auch. Ich beschloß, meine Temperaturdecke nach diesem Muster zu stricken, und zwar im Rippenmuster. Für jeden Tag wollte ich eine Rippe stricken. Ich fertigte ein Probestück an, und hatte anfangs einige Probleme mit dem Muster. Nein, es lag nicht an der Anleitung, sondern an meiner Umsetzung derselben. Aber mir gefiel das Zackenmuster so gut, daß ich es trotzdem für meine Decke nehmen wollte.

Welche Wolle paßt am Besten für die Decke und welche Farben brauche ich?
Da überlegte ich nur kurz und entschied mich für Sockenwolle. Diese ist dünn genug, damit die Decke nicht zu schwer wird. Außerdem gibt es sie in vielen Unifarben, und einige Knäuel davon konnte ich sogar aus meinem Vorrat verwenden. Den Rest kaufte ich mir dazu. Nun hoffe ich, daß meine Schätzung, welche Mengen ich von jeder Farbe benötigen werde, so einigermaßen hinkommt. Denn ich bin mir nicht sicher, ob es alle Farben gegen Ende des Jahres noch nachzukaufen gibt. Das muß ich mal auf mich zukommen lassen. Hier mal meine geplante Farbskala für die Decke. Am Anfang und am Ende sollen ein paar Zentimeter in naturfarbener Wolle werden. Ebenso die Trennrippen zwischen den Monaten.

Farbskala für meine Wetterdecke

Januar 2017 – die Temperaturdecke wird angeschlagen
Ich konnte es kaum erwarten, bis der erste Januar kam. Die naturfarbenen Randreihen hab ich vorher schon gestrickt, so daß ich gleich an Neujahr mit der ersten richtigen Temperaturreihe beginnen konnte. Und die war dann schwupps auch schon viel zu schnell wieder fertig. Jetzt mußte ich wieder einen ganzen Tag warten, bis ich weitermachen konnte...
Inzwischen ist es schon Routine geworden, mittags meine Temperaturkontrolle zu machen und am Abend eine Rippe zu stricken. Auch das Stricken hab ich jeden Tag geschafft, obwohl ich ja auch mal einen Tag auslassen könnte und später mehrere Rippen nachholen. Aber momentan klappt es gut und macht Spaß, ganz wie sich das im Januar auch noch gehört! Die Motivationskrise erwarte ich eher im Sommer... Mit dem Muster hab ich die ersten Tage schon noch ein wenig gehakelt, aber inzwischen kann ich mein Gestricke gut lesen und merke es sofort, wenn ich einen Fehler gemacht habe, so daß ich nicht mehr gleich die ganze Reihe wieder auftrennen muß.
Also, es geht gut voran! Hier zwei aktuelle Bilder meiner Decke:

Detailfoto vom Zickzackmuster

Meine Wetterdecke - Stand Ende Januar 2017

Meine Wetterdecke - Stand Ende Juli 2017

Noch immer stricke ich fleißig an meiner Temperaturdecke - jeden Abend eine Rippe, und beim Monatswechsel noch den naturfarbenen Trennstreifen dazu. Das ist nun ein schönes Ritual geworden, und nervt mich bis jetzt noch immer nicht. Auch die warmen Sommertemperaturen halten mich nicht wie befürchtet vom Deckenstricken ab. Ich breite das, was ich schon geschafft habe, gar nicht komplett über mir aus, wenn ich meine Rippe stricke, sondern lasse den größten Teil zusammengelegt, wie ich die Decke aus der Stricktasche gezogen hab, und lege alles eher neben mich. Nur bei den vergangenen kalten Sommertagen war es ganz schön, mich bei Bedarf damit schon richtig zudecken zu können.
Nun bin ich allmählich gespannt, ob mir im Herbst auch alle Farben reichen. Ich hab ja bevor ich anfing meinen kompletten Materialbedarf auf einmal gekauft, damit ich gegen Ende der Decke, wenn ja schon fast ein Jahr vergangen ist, nicht Probleme bekomme, Knäuel nachzukaufen. Mal sehen, bis jetzt schaut es noch ganz gut aus.

Wetterdecke 2017 - Stand Ende Juli



Ach ja, meinem Kater Aramis gefällt die Decke bereits im halbfertigen Zustand außerordentlich gut. Bin gespannt, wer von uns beiden am Ende die Eigentumsrechte durchsetzen kann ...

Nun haben wir 2018, und die Wetterdecke von 2017 ist immer noch nicht fertig...

Naja, die Decke an sich könnte man als fertig bezeichnen. Zumindest die täglichen Streifen hab ich ohne Probleme fertig gestrickt. Das war das ganze Jahr hindurch eigentlich gar kein Problem. Ich hab mich jeden Tag auf meine zu strickende Rippe gefreut. Das wurde zu einem schönen Ritual. Die Abschlußkante ging auch noch. Aber dann wurde es schwierig. Das Jahr war zu Ende, und ich brauchte noch zwei Abschlußkanten an den Seiten. Zwei sehr lange Kanten, von denen ich eigentlich keine Ahnung hatte, wie ich sie am Besten machen sollte.

die eigentlich fertige Wetterdecke 2017


Irgendwannn im Januar nahm ich mir die Decke dann vor und strickte an einer Kante ein Stück glatt rechts. Damit es sich nicht so stark einrollt, hab ich am Ende noch ein paar Rippen gestrickt. Natürlich hat das nicht viel gebracht. Nach dem Abketten rollte sich der Rand selbstverständlich ein. Aber ich wollte die Kante nicht mehr auftrennen. Die Decke sollte endlich fertig werden! Also fertigte ich die zweite Seitenkante ebenso an und war damit genauso unzufrieden, wie mit der ersten.

Das Resultat war, daß meine an sich schöne Wetterdecke wieder mal wochenlang herumlag, obwohl ich noch das Jahr, die Legende und die Monate am Rand aufsticken wollte, um wirklich damit fertig zu werden. Irgendwann im Februar hatte ich es satt, daß die Decke immer noch fast vollendet herumlag. Ich begann, das Jahr auf eine der Schmalkanten zu sticken, und es machte sogar Spaß. 



Ein paar Tage lang nahm ich mich wirklich zusammen und bestickte die Ränder, auch in der Hoffnung, daß sich die Seitenkanten durch die Stickereien nicht mehr so stark einrollen würden. Aber diese Hoffnung zerschlug sich leider. Jetzt hab ich eine an sich fertige Wetterdecke für das Jahr 2017, aber ich bin mir sicher, daß ich mich künftig immer über die „Rollränder“ ärgern werde, wenn ich das nicht doch noch irgendwie besser hinbekomme. Und das wäre viel zu schade, denn an sich finde ich die Decke richtig schön. Es macht auch Spaß, immer wieder mal nachzuschauen, wie denn die Temperaturen vor einem Jahr gewesen sind.



Also überlegte ich, wie ich diese Ränder noch glatter bekommen könnte. Spannen würde da nicht viel bringen. Im Moment stricke ich nochmal einen schmalen Streifen glatt rechts, den ich dann von hinten auf den Rand aufnähen möchte. Das würde auch die unschöne Rückseite der Stickereien etwas verdecken. Mal sehen, ob es den gewünschten Erfolg bringt. Ich möchte jetzt langsam mal wirklich fertig mit dieser Decke werden!

unschöner Rollrand

Der Rollrand ist nun noch etwas schöner geworden

Es ist schon eine Weile her, aber ich möchte hier doch noch nachreichen, daß ich für den Rand, der sich so unschön zusammengerollt hatte, eine Lösung gefunden habe. Es wurde keine besonders elegante Lösung, aber zumindest gefällt mir der Rand nun besser als zuvor.

Nachdem ich mir mehrere Möglichkeiten lang und breit überlegt hatte, hab ich schließlich einfach mit der beigefarbenen Wolle für beide Ränder je einen Streifen glatt rechts in der richtigen Breite gestrickt. Diesen Streifen habe ich dann links auf links auf die Rückseite der Umrandung genäht. Jetzt rollt sich nichts mehr ein. Außerdem kann man auch die rückwärtigen Fäden von der Stickerei nicht mehr sehen. Und so wollte ich es ja eigentlich haben.

Mein Resümee zu meinem Wetterdecken-Projekt

Es war ein sehr schönes Langzeit-Projekt! Und ich könnte mir gut vorstellen, irgendwann einmal wieder eine Jahres-Wetterdecke zu stricken, vielleicht auch mal zu häkeln. Erstaunt hat mich dabei besonders, wie diszipliniert ich doch dabeigeblieben bin über das ganze Jahr hinweg. Und auch meine Temperaturablesungen waren kein großes Problem. Vergessen hab ich sie eigentlich an keinem einzigen Tag. Manchmal war ich zu der entsprechenden Uhrzeit nicht zu Hause, aber dann konnte ich den Wert ungefähr schätzen.

Meine tägliche Rippe zu stricken, wurde zu einem Ritual, das ich nach Beendigung dieses Projektes sogar eine ganze Weile lang vermisste. Etwas nervig wurde es erst, als die eigentliche Decke schon fertig war, und ich noch den Rand daranstricken mußte. Und als das dann auch noch für ein paar Schwierigkeiten sorgte, wurde es zäh. Aber mit Geduld und auch mal einer längeren Pause, in der ich mich handarbeitstechnisch einigen Dingen widmete, die mir in dem Moment mehr Spaß machten, kam dann im Laufe des Jahres schließlich auch noch der Rand zu einem guten Ende. Jetzt, im Herbst 2018, liegt die Decke auf meinem Bett und wärmt mir in den kühl gewordenen Nächten meine Füße.