Montag, 25. April 2016

Mein Halbkreismantel ist fertig!

Den Mantel selbst habe ich ja schon vor einem Jahr aus handgesponnener Steinschafwolle angefertigt. Und nun ist er auch mit einem Innenfutter versehen – aus selbst gesponnener und in Leinwandbindung verwebter dunkelbrauner Jacobsschafwolle

mittelalterlicher Halbkreismantel mit Innenfutter


Alles von der Spinnfaser an selbst zu machen, braucht Zeit und Geduld
Es hat doch etwa vier Monate beansprucht, um das Futter fertig zu bekommen und in den Mantel zu einzunähen. Ein Motivationstief hat mich im Winter etwas ausgebremst, aber je näher die neue Mittelaltermarkt-Saison rückte, desto mehr Antrieb bekam ich wieder. Und nun freue ich mich darauf, den Mantel zum ersten Mal auszuführen und dabei zu testen, wie wärmend, winddicht und robust er durch das Füttern geworden ist. Leider hat er zu seinem bereits vorbestehenden Gewicht von etwa anderthalb Kilo nochmal ein gutes Kilo dazubekommen. Naja, im Vergleich zu dem, was manche Männer auf Mittelalterveranstaltungen an Rüstung mit sich herumschleppen müssen, ist das dann doch eher ein Klacks...



Das Innenfutter paßt nicht genau
Als ich die Dreiecke für das Innenfutter fertig aneinander genäht hatte, mußte ich noch entscheiden, wie ich es am Besten an dem Halbkreismantel befestige. Ich legte beides aufeinander und erkannte schnell, daß mein Futter von der Spannweite her ein wenig kleiner geworden war als der Mantel. Außerdem stellte ich fest, daß die Rundung meines Mantels viel ungleichmäßiger war, als ich gedacht hatte, und nun Außenteil und Futter nicht wirklich aufeinander paßten. Da ich mal irgendwo gelesen hatte, daß es wohl sogar Belege dafür gibt, daß im Mittelalter bei Mänteln das Innenfutter durchaus nicht immer unten herum festgenäht worden war, beschloß ich, das Innenteil nur am Kragen und an den Seiten festzunähen. So macht die Weitendifferenz nun nichts mehr aus. Außerdem fällt der Mantel auch schön.

dekorative Naht mit Hexenstichen


Ein hübsches Detail entstand beim Zusammennähen des Mantels eher zufällig
Damit mein Innenfutter gut hält, nähte ich es mit demselben Wollgarn, aus dem der Außenteil besteht, mit einer Reihe Hexenstiche fest. Das helle Grau ergab eine schöne, auf dem dunkelbraunen Innenstoff gut sichtbare, Stickerei. Nun sieht mein Halbkreismantel – zumindest von innen – gleich ein wenig edler aus.

Montag, 4. Januar 2016

Schafwolle nimmt Gerüche kaum an – es ist wirklich so

Und diese Tatsache hat mich vor ein paar Tagen wieder einmal freudig erstaunt. Und das bei einem ungewollten Härtetest.

Neben meinem aktuellen Mittelalter-Gewandungs-Großprojekt habe ich im Winter auch begonnen, mir einen schönen Pulli aus handgesponnener Merinowolle zu stricken. Es wird wieder ein Raglan-Pullover, da ich mit dieser Stricktechnik für meine selbst gesponnenen Garne gut zurechtkomme Als nun der Rumpfteil meines Pullis so gut wie fertig war, mußte ich eines Abends feststellen, daß mein Kater anscheinend meinen Handarbeitskorb als Katzenklo mißverstanden hatte.


Raglan-Pulli aus handgesponnener Merinowolle in Arbeit

Mein Kater hat in den Handarbeitskorb gepieselt!
Alles, was in dem Korb war, stank nach „Katzenpiesel“, auch der Projektbeutel mit meinem halbfertigen Pullover! Nach dem Ärger kam die Panik. Beutel und andere Wolle, die in dem Handarbeitskorb lagen, konnte ich einigermaßen gut waschen. Aber was sollte ich mit meinem angefangenen Pulli tun, der ebenfalls das tolle Katzenklo-Aroma hatte? Wie würde sich ein Waschen auf das Teil auswirken? Mal abgesehen davon, daß sich Nicht-Superwash-Schafwolle sowieso nicht besonders für intensive Waschaktionen eignet. Das Maschenbild von dem fertigen Stück würde sich verändern. Ich würde mich bei den Ärmeln, die noch folgen sollen, nicht mehr am Rumpfteil orientieren können. Und dann waren natürlich auch noch die verschiedenen angefangenen Knäuele und die, die ich für das Fertigstricken noch benötigen würde, ebenfalls in dem verseuchten Projektbeutel. Sollte ich die Wolle noch einmal haspeln und vorsichtig waschen? O weh! Ich liebe meine Katzis über alles, aber an diesem Abend hatte ich wirklich genug.

Nach zwei Tagen Auslüften roch mein Merino-Strickzeug kaum noch
Ich wusch und reinigte den Korb und alles, was darin war, so gut ich konnte. Doch meinen angefangenen Pulli und die dazugehörende Wolle legte ich erst einmal zum Lüften aus. „Günstigerweise“ ist gerade Winter, und ich habe keine Möglichkeit, die Sachen im Freien auszulüften oder zu trocknen. Toll, wirklich genial!

Doch dann geschah das Wunder. Schon von Anfang an müffelte die gekaufte Sockenwolle und ein paar Reste Synthetikgarn, die in dem Korb gelegen hatten, intensiver als meine Schafwolle, die sowieso auch einen prägnanten Eigengeruch hat. Und nun, zwei Tage nach dem Malheur, muß ich an meinem Schafwoll-Strickzeug schon genau schnüffeln, um noch etwas von dem Katzenurin-Duft zu riechen!

Ich werde nun den Pulli erst einmal wie geplant fertig stricken. Und danach bekommt er, wie es sowieso vorgesehen war, ein ausgiebiges Bad. Und, wenn nötig, auch noch ein paar weitere. Ich hoffe, daß ich dann das gute Stück auch tragen kann, ohne in meiner Umgebung ein Katzenklo-Aroma zu verbreiten.

Spinn- und Webeigenschaften von Jacobschafwolle – ein Erfahrungsbericht

Vor Kurzem habe ich damit begonnen, für meinen mittelalterlichen Halbkreismantel ein Futter anzufertigen. Den Stoff dafür werde ich aus selbst gesponnener und verwebter Jacobschafwolle herstellen. Da ich bei diesen Arbeiten inzwischen immer begeisterter von dieser Wolle wurde, möchte ich sie hier nun etwas genauer beschreiben.


So sieht das Jacobschaf aus

Die mittelgroßen robusten Tiere fallen vor allem wegen ihrer eindrucksvollen Hörner auf. Den Kopfschmuck besitzen beide Geschlechter, wobei weibliche Tiere meist nur zwei Hörner bekommen, männliche eher vier bis manchmal auch sechs Stück. Jacobsschafe haben ein braun-weiß oder schwarz-weiß geflecktes Wollkleid. Zur farbreinen Weiterverarbeitung werden die unterschiedlichen Wollflocken nach der Schur farblich sortiert.


Geschichte der Jacobschafe

Bei diesen Tieren handelt es sich um eine sehr alte Schafrasse, deren Name auf den biblischen Jacob zurückgehen soll. Angeblich lebten bereits vor 4000 Jahren Vorfahren der Jacobschafe in China und Persien. Nomaden sollen einige der Tiere nach Afrika gebracht haben. Von dort gelangten sie dann durch maurische Eroberer bis nach Spanien.

Spanische Seefahrer nahmen im 16. Jahrhundert gern Jacobschafe als „lebendigen Essensvorrat“ mit auf ihre Schiffe. So gelangten auch in andere Regionen der damals bekannten Welt. Jacobschafe sollen auch 1588 an Bord der spanischen Armada gewesen sein, als diese vor der Englischen Küste unterging. Einige der Tiere, die es schafften, sich an Land zu retten, siedelten sich danach dort an.

Im Lauf der Zeit wurde die Population der Jacobschafe auf dem Europäischen Festland und auch auf der Britischen Insel immer kleiner, bis sie schließlich vom Aussterben bedroht waren. Erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts fand die Rasse unter anderem auch in Deutschland genügend Liebhaber, die sich für deren Erhalt einsetzten. Jetzt hat sich die Anzahl der Jacobschafe wieder einigermaßen stabilisiert.


Spinneigenschaften der Jacobschafwolle

Für mein Projekt verwende ich braune Jacobschafwolle im Kammzug vom „Wollschaf“. Die Fasern besitzen eine Feinheit von 32 bis 34 Micron. Sie haben eine Stapellänge von 8 bis 9 cm. Laut Rassestandard sind etwa 7 bis 18 cm möglich. Die Spinnfasern fühlen sich griffig und weich an, sind aber etwas rauer als z. B. Merino. In dem dunklen Kammzug sind wenige weiße Grannenhaare und auch ein paar Reste von Gras deutlich sichtbar. Diese zupfe ich teilweise schon vor dem Spinnen oder auch währenddessen heraus. Das bremst die Verarbeitung ein wenig, finde ich aber nicht weiter schlimm.


Wolle vom Jacobschaf läßt sich gut verspinnen

Der Kammzug läßt sich gut verspinnen und ist auch für Anfänger gut geeignet. Man soll damit auch gut filzen können, das habe ich selbst aber noch nicht ausprobiert. Ich verspinne die Fasern im kurzen Auszug, da ich gern einen stabilen Faden bekommen möchte, der auch die Belastung als Kettfaden beim Weben aushält. Deswegen kettenverzwirne ich es auch anschließend noch zu einem dreifädigen Garn. Im Entspannungsbad zeigt sich, daß noch viel Staub in den Fasern ist, denn das Wasser verfärbt sich deutlich braun.

Durch das Bad flufft das Garn flufft noch ein gutes Stück auf. Im Ergebnis kann ich daraus einen Faden von etwa Fingering Weight herstellen. Da ich für mein Mega-Projekt (ca. anderthalb Kilo Fasern) meinen Schwerpunkt mehr auf Schnelligkeit als auf einen schönen Faden lege, hat mein Garn viele dickere und dünnere Stellen bekommen. Ich bin mir sicher, daß man auch einen wesentlich gleichmäßigeren Faden daraus spinnen kann, wenn man etwas sorgfältiger arbeitet, als ich es bis jetzt tat.


handgesponnenes Garn aus Jacobschafwolle


Wolle vom Jacobschaf verweben

Das ist der absolute Hammer! Ich hab schon andere handgesponnene Garne für meine Reenactment-Projekte verwebt (z. B. Merino vom Kammzug und Batt, Steinschaf), aber so toll wie das Jacobschaf war nichts davon. Ich webe auf meiner 80 cm breiten Kromski Harfe, die ich auch fast zur vollen Breite bespannt habe, mit einem 10 dpi (40 Fäden auf 10 cm) Webblatt.

Schon das Aufziehen der Kette verlief absolut problemlos. Und was mich besonders beeindruckt, ist die Tatsache, daß die Kettfäden der Beanspruchung durch den Webkamm super trotzen. Obwohl ich nicht zimperlich mit ihnen umgehe, zeigen sie so gut wie keine Abriebspuren! Und bis jetzt kam auch noch keine der dünneren Stellen meiner Kette auch nur in die Versuchung, zu reißen. In meinen bisherigen Webversuchen mit Schafwolle war es eigentlich immer so, daß die Kettfäden ein wenig aneinanderfilzten. Das ist beim Jacobschaf gar nicht der Fall. Vielleicht ist es auch mit einem engeren Webblatt anders (das probiere ich eventuell auch noch mal aus). Aber im Moment bin ich von den Webeigenschaften dieser Wolle einfach nur begeistert.

Es entsteht ein lockeres Gewebe, das auf dem Rahmen schon recht durchscheinend aussieht. Aber ich möchte für das Futter meines Halbkreismantels auch einen lockeren, nicht zu schweren Stoff bekommen. Außerdem denke ich, daß die Löchlein durch das anschließende Waschen noch kleiner werden. So weit bin ich mit meiner Arbeit jedoch noch nicht.

handgesponnene Wolle vom Jacobschaf eignet sich zum Weben


Mein Fazit zur Verarbeitung der Wolle vom Jacobschaf

Ich bin begeistert von diesem Material. Schon das Spinnen geht leicht von der Hand und macht Spaß. Lediglich das Herauszupfen der Grannenhaare ist etwas lästig, weil es mein Spinntempo bremst. Das fertige Garn ist robust und kommt sogar prächtig mit der Belastung als Kettfaden beim Weben zurecht. Es fühlt sich mittelmäßig weich an und ist für das Innenfutter meines Mantels gut geeignet. Ich kann mir vorstellen, daß es – etwas fluffiger im langen Auszug versponnen – auch für einen gestrickten Pulli oder eine Jacke gut verwendbar ist. Für mein Vorhaben ist es die ideale Faser. Die Tatsache, daß sie von einer sehr alten und auch noch immer bedrohten Schafrasse stammt, macht sie für mein Mittelalterprojekt um so geeigneter. Ich freue mich darauf, bald wieder weiter mit der Wolle vom Jacobschaf zu spinnen und zu weben. 


Quellen
Homepage des Jacob-Hof Speuß
Homepage des Online-Versandhauses „DasWollschaf“

 


Donnerstag, 31. Dezember 2015

Ein Innenfutter für meinen mittelalterlichen Halbkreismantel

Nachdem ich mir im vergangenen Winter einen Halbkreismantel von der Spinnfaser an selbst gemacht habe, möchte ich heuer noch ein Innenfutter dafür anfertigen.

Wieso ich den bereits fertigen Mittelalter-Mantel nun noch abfüttern möchte
Während der vergangenen Mittelaltermarkt-Saison hat mir der Mantel bereits gute Dienste geleistet. Er hat mich an kühleren Sommertagen und -abenden gut gewärmt. Aber gegen Regennässe und Wind war er doch nicht besonders widerstandsfähig. Das ist auch kein Wunder, denn einerseits habe ich während der verschiedenen Arbeitsschritte das Wollfett so ziemlich ausgewaschen. Andererseits wurde der Stoff, den ich aus naturgrauer Steinschafwolle gewebt habe, eher grob. Ich habe noch ein paar Versuche unternommen, den fertigen Mantel etwas anzufilzen, um ihn dichter zu bekommen, Doch das ließ das Material nur eingeschränkt zu. Die Fasern der Steinschafwolle sind eher glatt und und nur schlecht zum Filzen geeignet. Das andere Problem, das ich mit dem Mantel habe, ist, daß sich ein paar Nähte, die durch die Fibel und das Tragen besonders beansprucht werden, allmählich lösen. Deshalb entschloß ich mich, meinem ohnehin schon eher schweren Mantel nun doch noch ein Innenfutter zu gönnen. Ich hoffe, daß er dadurch etwas stabiler wird und Wind und Regen ein wenig besser trotzen kann.

Das Garn, um daraus den Stoff für mein Halbkreismantel-Innenfutter zu weben, werde ich wieder selber spinnen
Für das Innenfutter habe ich mich für dunkelbraune Jakobschaf-Wolle entschieden. Ich wollte die Innenseite in einer natürlichen Kontrastfarbe anfertigen. Diese Wolle habe ich als Kammzug mal probeweise versponnen. Da das gut von der Hand ging und ich auch einen schönen, dünnen zweifach verzwirnten Faden produzieren konnte (es soll ein eher leichter Wollstoff werden, der Mantel ist auch so schon schwer genug), fiel meine Wahl dann auf diese Fasern.
Nach ein wenig Rechnerei habe ich mir dann anderthalb Kilo davon bestellt, und etwa 300 Gramm sind nun auch schon versponnen. Im Moment trocknet das Garn nach dem Entspannungsbad noch, aber bald werde ich den Webrahmen zum ersten Mal bespannen können.

Der Futterstoff möchte ich in vier Einzelstücken weben
Damit die Kettfäden noch einigermaßen handhabbar bleiben, werde ich den Stoff nicht in einem Stück weben, sondern als vier Einzelteile. Die Kettfäden werden trotzdem etwa 1,80 Meter lang sein. Die fertigen Stoffbahnen werde ich dann wieder in je ein gleichschenkliges Dreieck in der Mitte und zwei rechtwinklige an den beiden Seiten zerschneiden, wie es die Schemazeichnung zeigt. 

Zuschnittplan für mittelalterlichen Halbkreismantel und dessen Futter
 
Die rechtwinkligen Dreiecke werde ich mit den Längsseiten so zusammennähen, daß daraus ebenfalls gleichschenklige Dreiecke entstehen, die ich dann so, wie in der zweiten Zeichnung zu sehen ist, aneinander nähe. In der Mitte werde ich einen halbrunden Halsausschnitt einfügen. Ich bin mir nicht sicher, ob das dem großen „A“ gerecht wird. Aber bei meinem Mantel habe ich das letztes Jahr schon so gemacht, und den Ausschnitt auch mit einem kleinen, schlichten Kragen eingefaßt. Das hat dem Mantel dort oben eine gute Stabilität gegeben. Da ist bis jetzt noch nichts aufgegangen.

So werden die Dreiecke für das Futter des Mittelaltermantels zusammengefügt


Zum Schluß werde ich das Mantelfutter etwas anfilzen
Bevor ich dann das Futter einnähe, möchte ich versuchen, es durch Filzen ein wenig zu verdichten. Und dann hoffe ich, daß es von der Größe her auch wirklich mit dem Mantel übereinstimmt...
Tja, da liegt eine Menge Arbeit vor mir. Ich freue mich aber darauf, auch wenn ich vor dem Berg eintönig brauner Spinnasern schon ein wenig Respekt habe. Aber ich habe es ja letztes Jahr schon einmal geschafft, und bei meiner selbst gesponnenen, gewebten und genähten Kotte war es auch nicht anders.

Socken für Flüchtlinge sind fertig!

Bereits im September habe ich begonnen, für Menschen, die aus Kriegsgebieten in meine Stadt geflüchtet sind, warme Wintersocken zu stricken.
Obwohl ich wirklich drangeblieben bin, hat sich diese Strickaktion doch bis kurz vor Weihnachten hingezogen. Eigentlich wollte ich es ja vermeiden, meine Sockenspende knapp vor dem Fest abzugeben, da zu dieser Zeit bestimmt viele Leute etwas spenden. Aber eher bin ich einfach nicht fertig geworden. Und als es dann soweit war, wollte ich die Strümpfe auch "an die Leute bringen". Außerdem brauchte ich den Platz für die anderthalb Kilo Spinnfasern, die ich für ein neues Großprojekt bestellt hatte.
Also trug ich meinen Karton voller Socken (nicht ohne eine gute Portion Freude und Stolz) zur örtlichen Caritas-Kleiderkammer, da ich sichergehen wollte, daß meine Strümpfe auch wirklich bei den Leuten ankommen, die sie brauchen. Dort sah ich dann bereits auf einer Bank im Flur die Menschen sitzen, für die ich gestrickt hatte. Die Leute warteten geduldig darauf, nach und nach in das Anprobezimmer eingelassen zu werden, wo zwei Mitarbeiterinnen damit beschäftigt waren, für jeden das passende Kleidungsstück herauszusuchen, das er oder sie gerade brauchte.
Als ich mit meinem Sockenkarton dort ankam und ihn schließlich einer Mitarbeiterin übergab, bekamen das die Flüchtlinge am Gang mit. Als ich dann wieder ging, bedankten sie sich überschwänglich bei mir. Es war eine etwas eigenartige Situation. Aber ich bin mir sicher, daß meine Sockenspende bei den Leuten angekommen ist, für die sie bestimmt war. Und das war mir wichtig.


Donnerstag, 17. September 2015

Socken stricken für Flüchtlinge

Jeden Tag sehe ich in den Nachrichten neue Bilder von fliehenden, verzweifelten Menschen aus Syrien, die alles daran setzen, in Europa eine neue Heimat und Sicherheit zu finden. Und jeden Tag denke ich mir, daß ich auch irgend etwas tun muß, um diesen Leuten zu helfen. Irgend etwas, das besser ist, als Tag für Tag fassungslos den Nachrichten zuzusehen und zu spüren, doch was tun zu müssen.
Aber was? Ich könnte Geld an eine Hilfsorganisation spenden. Wieviel davon wird dann wirklich bei den Menschen, die Hilfe brauchen, ankommen und wieviel in der Verwaltung versickern? Nein, ich möchte sichergehen, daß wirklich alles dort ankommt, wo es benötigt wird.
In meinem Heimatort gibt es eine Flüchtlingsunterkunft. Soll ich hingehen und versuchen, den Leuten dort Deutsch beizubringen, bei Formalitäten oder Ämtergängen zu helfen oder Kinder betreuen, wie so viele andere Helfer es bereits in bemerkenswerter Weise tun? Das wäre bestimmt sinnvoll. Aber dafür bin ich nicht der Typ, es würde mich überfordern, und meine Englischkenntnisse (oder erst recht andere Fremdsprachen) reichen bei Weitem nicht aus, um mich mit diesen Menschen gut genug verständigen zu können.
Was ich gut kann, ist stricken. Und nun steht bald der Winter vor der Tür. Deshalb hab ich mich entschlossen, für diese Leute, die alles in ihrer Heimat verloren haben oder zurücklassen mußten, wenigstens ein paar warme Socken zu stricken. Vielleicht auch Handschuhe oder Mützen. Mal sehen, wie weit ich mit meinen beiden Händen komme. Es werden keine Stapel werden. Vielleicht mal an die zehn Paar für den Anfang, denn nebenbei muß ich auch noch arbeiten und den normalen Alltagswahnsinn schmeißen. Das ist nur der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Und vielleicht wäre es sinnvoller, mit der Wolle und einer Handvoll Stricknadeln zu den Flüchtlingen hinzugehen und mit ihnen gemeinsam zu stricken, damit sie etwas anderes tun könnten, als nur abzuwarten, bis die bürokratischen Mühlen mit ihren Asylanträgen vorankommen. Vielleicht wäre das besser. Vielleicht werden die Mitarbeiter dort auch mit Sockenspenden überschüttet. Dann werd ich versuchen, meine Strickereien anderswo unterzubringen. Mein Vorhaben ist sicherlich nicht das denkbar beste. Und es ist auch nicht heldenhaft oder selbstlos.
Aber es ist auf jeden Fall besser, als nur immer dazusitzen und das Gefühl zu haben, doch irgend etwas tun zu müssen!

Die ersten anderthalb Paar Strümpfe sind schon fertig!

selbstgestrickte Socken für Flüchtlinge


Donnerstag, 19. März 2015

Eine schöne Geschenkidee – ein Wickelknäuel

Als ich kürzlich nach einer Geschenkidee für den 12. Geburtstag eines handarbeitsbegeisterten Mädchens suchte, fiel mir ein, daß ich im Internet schon wiederholt von Wickelknäulen gehört habe. Ich hatte so etwas noch nie selbst gesehen oder gar gebastelt. Die Idee gefiel mir aber, also probierte ich es einfach aus.

Geschenkidee Wickelknäuel

Das Wickelgarn: handgesponnene Merinowolle mit kleinen Perlen
Zuerst widmete ich mich der Wolle. Schon lange wollte ich mal versuchen, ein Garn zu spinnen, in das Perlen eingearbeitet sind. Irgendwo in den Weiten des Netzes hatte ich mal ein Video dazu gesehen. Also suchte ich mir einige bunte Merino-Kammzüge und Perlen zusammen und probierte es aus. Und heraus kam ein wunderschönes Perlengarn, gute 80 Gramm, ca. 120 Meter.

Die Mini-Geschenke: Handarbeits-Grundausstattung und einige Süßigkeiten
Als Geschenke, die verwickelt werden sollten, besorgte ich allerhand Kleinigkeiten, die eine angehende Handarbeiterin gut gebrauchen konnte. Strick- und Häkelnadeln, Maschenmarkierer, Nadeln zum Vernähen, eine kleine Schere, Maßband, Auftrenner, ein Notizbuch mit Stift und Radiergummi, ein kleiner Reihenzähler, ein Nadelmaß-Kärtchen und als Nervennahrung zwischendurch ein paar Gummibärchen packte ich in Geschenkpapier ein, in lauter einzelne Päckchen. Und dann wurde fleißig gewickelt, bis ein großer Garn-Geschenke-Ball entstanden war, der auch noch einigermaßen stabil zusammenhielt.

Geschenke für das Wickelknäuel

Noch schnell eine Handarbeitstasche gestrickt
Da das beschenkte Mädchen ja erst das Knäuel, und nach dem Auspacken auch die Handarbeits-Utensilien irgendwo verstauen können mußte, strickte ich noch schnell aus einigen Resten handgesponnener und selbst gefärbter Wolle ein kleines Säckchen. Es bekam je zwei Außen- und Innentaschen für den ganzen Kleinkram. Oben kann man es mit einer Kordel zuziehen.

Projekttasche für das Wickelknäuel

Das Wickelknäuel kam bei der Beschenkten gut an
Als dann der Geburtstag da war, begann das Mädchen sofort begeistert, die Wolle zu verstricken. Damit es nicht zu lange dauerte, bis die ersten Geschenke aus dem Knäuel heraus purzelten, wanderte das Strickzeug dann den ganzen Nachmittag lang immer wieder zwischen den Gästen und dem Geburtstagskind hin und her, und jeder fügte ein paar Reihen hinzu. Auch ein Gästekind, das bis dahin noch nicht stricken konnte, versuchte sich mit Freuden daran.

Inzwischen dürften alle Geschenke zum Vorschein gekommen sein. Das Wickelknäuel hat nicht nur dem Geburtstagskind Freude gemacht, sondern gleich noch dazu einigen ihrer Besucherinnen!